Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Partnerschaft im Forstbereich

Autor Herbert Buzas
Medium Tiroler Tageszeitung
Texttyp Artikel
Erscheinungsdatum 15. März 2001
Kategorisierung Forstwirtschaft; 2001

über die Zukunft im Bereich der Waldwirtschaft

Um ein Beispiel aus einem landwirtschaftlichen Bereich zu bringen: Es sagte das Huhn zum Schwein: "Machen wir eine Partnerschaft." - "Fein, ich bin dabei; was wollen wir machen?" - "Ich schlage vor, wir erzeugen ham and eggs, also Schinken und Ei." - "Aber dabei gehe ich ja drauf!" - "Das ist bei jeder Partnerschaft so, dass einer draufgeht."

Das ist die amerikanische Methode, eine Rede oder einen Artikel zu beginnen: Mit einem deftigen Witz. Er darf ruhig überzeichnen, weil einem damit die Aufmerksamkeit der Zuhörer oder der Leser sicher ist, und weil man die Übertreibungen nachher immer noch teilweise zurücknehmen kann. In Deutsch sprechenden Ländern beginnt man, ernsthafter, oder weil einem sonst nichts einfällt, des öfteren mit einer Wortanalyse. Was heißt "Partnerschaft" wörtlich? Der erste Teil des Wortes kommt vom lateinischen pars, partis, der Teil. Partner sind also, wörtlich übersetzt, und wohl auch im Idealfall, Teilhaber an einer gemeinsamen Sache. Fällt einer oder mehrere Partner aus oder auf die Nase, dann funktioniert die Partnerschaft nicht.

Partner in der Forstwirtschaft

Die österreichische Forstwirtschaft hat mehrere Partner. Früher einmal gab es die mit Bundesgesetz eingerichteten Holzwirtschaftsräte, die später von pro Holz abgelöst wurden. Dabei bringen beide Seiten ihr Wissen, ihr Können, ihre Arbeitskraft und ihr Geld ein, um ihr gemeinsames Interesse, einen gesteigerten Holzabsatz, zu fördern. pro Holz ist nicht nur deshalb erfolgreich, weil es in Zeiten gesteigerten Umweltbewusstseins in der Tat leichter ist, für Holz zu werben als für Asbestplatten oder Betonfertigteile. Es wird bei pro Holz ganz hervorragende Arbeit auf dem Gebiet der Werbung gemacht - ein Fachgebiet, auf dem sich mehr Leute zu urteilen erlauben, als Kenner vorhanden sind.

Viel weniger bekannt ist das Kürzel FPP, also Forst-Papier-Platte. Dabei stand das Wissen Pate, dass es in Österreichs Wäldern laufend viel mehr Schwachholz zu ernten gibt, als tatsächlich geerntet wird. Es schien nicht zwingend nötig zu sein, dass Schwachholz und Restholz in so großen Mengen importiert wurden und werden. Also verfeinerte man, im gemeinsamen Interesse, die Aufbringung und die Vermarktung des Schwachholzes, des wichtigsten Rohstoffes in der Plattenerzeugung und in den Papierfabriken. Die von FPP hergestellten Broschüren zählen zu den besten Arbeitsbehelfen, die es weitum gibt. Wenn der Absatz von Durch-forstungsholz trotzdem nicht so funktioniert, wie sich das die Forstwirtschaft gewünscht hätte, dann liegt das auf einer anderen Ebene.

Marktpartner Sägewerke

Der einfache Waldbesitzer, die durchschnittliche Agrargemeinschaft hat eine mehr oder weniger gut funktionierende Partnerschaft mit ihrem Sägewerk. Im Idealfall vertraut der Anbieter darauf, dass ihm sein Sägewerk, mit dem schon sein Vater oder seine Vorgänger als Agrarfunktionäre gehandelt haben, einen gerechten Preis anbietet, dass man rasch bezahlt, und dass man ihn auch in schwierigeren Zeiten nicht hängen lässt. Der Verkäufer erwartet sich nicht, dass der Käufer Wunder wirkt, weil er weiß, dass der, der aus Bäumen Bretter macht, diese wieder verkaufen muss. Nun ist dieser Käufermarkt in den vergangenen Jahren ein anderer geworden. Es gibt einige wenige ganz große Sägewerke, und immer weniger kleine. Es ist das eine Entwicklung, die auch sonst überall zu sehen ist: Molkereien wurden fusioniert oder einfach zugesperrt. Den Lebensmittelmarkt beherrschen ein paar wenige und immer größer werdende, international verflochtene Handelsketten.

Das Gesetz des Dschungels

Von den Besitzern der Großsägewerke wird immer wieder beteuert, dass sie nur deshalb halbwegs anständige Preise zahlen könnten, weil sie so groß sind; weil sie heute Techniken anwenden, die sich bei einem kleinen Sägewerk nie lohnen würden. Der Einschnitt je Arbeitskraft ist gewaltig angestiegen - weniger Lohnkosten, und damit bessere Preise für den Urproduzenten seien die Folge. Die natürliche Antwort auf die Konzentration bei den Abnehmern sind Zusammenschlüsse bei den Waldbauern. Es wird niemand, der dabei gewesen ist, vergessen, wie ein Sprecher der Säger auf der Gründungsversammlung des Tiroler Waldbesitzerverbandes eindringlich davor gewarnt hat, so eine Organisation überhaupt zu gründen. Wir alle stellten uns vor, was passiert wäre, wenn einer von der Urproduktion auf einer Sägerversammlung wortreich die Entwicklung auf dem Sektor der Sägewerke beklagt, ja, verdammt hätte. Auch auf dem Waldbauerntag in Lienz ein paar Jahre später dieselbe, fast gespenstische Szene. Da nützte kein noch so deutlicher Hinweis des vortragenden Funktionärs aus der Steiermark, dass aus einer Bündelung des Angebotes doch auch die Abnehmer riesige Vorteile schöpfen könnten.

Aus der Sicht der Forstwirtschaft möchte man wünschen, dass den Bestrebungen der Waldbauern, sich besser zu organisieren als dies bisher der Fall war, mehr Gelassenheit entgegengebracht würde. Und auch die Vorteile, die daraus erwachsen können, sollte man sehen: Einen selbstbewussten, fachlich versierten Partner müssten sich auch die Säger wünschen. Wenn nicht jeder Traktorfuhre einzeln nachgefragt werden muss, sondern wenn das Angebot gebündelt ist, dann bringt das doch in erster Linie dem Abnehmer Vorteile. Weil dadurch auch bei ihm Kosten wegfallen, kann er sogar ein wenig mehr für die Ware zahlen - sie ist für ihn mehr wert, weil ihre Beschaffung weniger gekostet hat.

Von einer guten Partnerschaft, die diese Bezeichnung verdient, profitieren beide Teile. Es diktiert nicht einer, oder gar ein dritter, auch nicht der Markt alleine. Würde man dem Markt alleine das letzte Wort zugestehen, bräuchten wir weder Regierung noch (Sozial-) Partnerschaft, weder Kooperationen noch Lastenausgleiche, weder Hilfen für die Schwachen noch Bremsen für die Starken, keine Maßnahmen gegen Kartelle. So lästig das alles jenen sein kann, die sich dynamisch entwickeln wollen - in letzter Konsequenz ist es für niemand wünschenswert, wenn das Gesetz des Dschungels die einzige wirtschaftspolitische Maxime ist.

Die Waldbesitzer dürfen von ihren möglichen Geschäftspartnern nicht mehr verlangen, als sie untereinander zu geben bereit sind. Wer den Nachbarn nur als Konkurrenten sieht, den es bei nächster Gelegenheit zu übertölpeln gilt, der hat kein Anrecht auf faire Behandlung, auf partnerschaftlichen Umgang.


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