Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Ozon ist herunten ein Luder, oben lebenswichtig

Autor Winfried Hofinger
Medium LOGO
Texttyp Artikel
Erscheinungsdatum August 1993
Kategorisierung Ozon; Umweltschutz; 1993

Wenn jemand auf dem Feld mit nacktem Oberkörper und barhäuptig arbeitet, dann ist es entweder ein mithelfender Fremder oder ein Junger, der nicht will, daß ihn im Schwimmbad alle als Bauer erkennen: Bleiche Oberarme, braungegerbte Unterarme und Hände; braunes Gesicht, helle Kopfhaut. Vor ein paar Jahrzehnten noch galt braune Haut als unfein - als Kennzeichen derer, die sich, shocking, von ihrer Hände Arbeit ernähren mußten. Man, frau vor allem, floh die Sonne, trug ärmellange Kleider, Hüte und Sonnenschirme. Und hatte Rachitis und Tuberkulose.

Die Sache mit der gesunden, ozonreichen Luft herunten ist ein altes Märchen. In einem fast 60 Jahre alten Lexikon - Brockhaus 1935 - steht zu lesen: "Die günstige Wirkung ozonreicher Luft besteht also nur in der Einbildung." Schon damals wußte man, daß 03 ein angriffslustiger Stoff ist. Ein Atem-und Pflanzengift. Es entsteht in größeren Mengen durch die Einwirkung von UV-Strahlen auf Stickoxide, den bekannten Abgasen des Straßenverkehres und von Heizungen aller Art. "Das Stickstoffdioxid hat die Eigenschaft, daß es das Ultraviolettlicht aus dem Sonnenlicht absorbieren kann und von diesem UV-Licht in Stickstoffmonoxid und Ozon (03) gespalten wird. In Abwesenheit anderer Gase würde sich dieses Ozon sofort wieder mit dem entstandenen Stickstoffmonoxid zu Stickstoffdioxid verbinden, sodaß sich infolge dieses Rückkoppelungseffektes nur eine mäßig hohe Ozonkonzentration aufbauen könnte.

Die verhängnisvolle Wirkung der Kohlenwasserstoffe, die ebenfalls aus KFZ-Abgasen stammen, liegt darin, daß sie mit dem Sauerstoff der Luft so reagieren können, daß aggressive oxidierte Kohlenwasserstoffe entstehen. Diese oxidierten Kohlenwasserstoffverbindungen können das Stickstoffmonoxid zu Stickstoffdioxid umwandeln, ohne daß dabei Ozon verbraucht wird. Da aus dem Stickstoffdioxid laufend wieder Ozon entsteht, steigt der Ozongehalt der Luft weit über den natürlichen Gehalt an." Das schreibt Dr. Ida Pack im Tiroler Waldzustandsbericht 1986.

Einfacher geht es leider nicht. Seit vielen Jahren mißt Dr. Pack mit ihren Mitarbeitern die Ozonwerte an autobahnnahen und autobahnfernen Meßpunkten (Ahornspitze bei Mayrhofen, Nößlachjoch). Daß die Werte weitab von den Stickoxidquellen oft höher liegen als neben der Autobahn, und daß sie einen Tagesgang haben, ist leicht erklärbar: Die Einwirkung des Lichtes (griechisch: Phos, photos, daher Photo-oxidantien) braucht seine Zeit, und mit der Zeit ist das alles längst aufgestiegen, in die Wälder und auf die Almen.

Die pflanzenschädlichen Grenzwerte, gemessen in ppb (also parts per billion; billion englisch ist unsere Milliarde), werden in Tirol ständig und weit überschritten. Ob und wie stark das Ozon die Gesundheit von Säugetieren inkl. Mensch angreift, darüber streiten die Gelehrten. Gesund ist es, siehe Brockhaus 1935, sicher nicht.

Ganz anders ist die Sache mit der Ozonschicht in mehreren Kilometern Höhe. Die dient an sich dazu, die von der Sonne kommende UV-Strahlung teilweise zu filtern. Fehlt dieses Ozon, dann kommt mehr ultraviolette Strahlung zur Erde als der menschlichen Haut guttut. Wenn, angenommen, deshalb vier statt bisher zwei von 10.000 Personen Hautkrebs bekommen, dann ist das eine Steigerung um 100 Prozent. Es sind das aber immer noch "nur" 0,4 Promille. Aber für jeden der zwei zusätzlichen - oder, auf Tirol gerechnet, für 120 statt 60 -ist die Sache schmerzlich bis tödlich.

Was zerstört die Ozonschicht oben? - Es sind hauptsächlich die FCKW, die Flourchlorkohlenwasserstoffe; ob und in welchem Ausmaß auch die Flugzeugabgase daran schuld sind, darüber streiten sich Gelehrte und die Flugzeugfirmen. Weil die Ozonschicht "Löcher aufweist, kommt mehr UV-Strahlung auf die Erde. Obwohl die Wirkung der FCKW auf die Ozonschicht eindeutig erwiesen ist, weigern sich noch viele Staaten, auf diesen praktischen chemischen Wirkstoff zu verzichten. Ein Musterbeispiel dafür, wie selbst gesicherte wissenschaftliche Daten achselzuckend zur Kenntnis genommen werden.

Was ist zu tun? Jede mutwillige direkte extreme Sonnenbestrahlung ist zu meiden. Also: Wieder mit Hut und Hemd am Feld arbeiten oder auf die Berge gehen. Das regungslose Sonnenanbeten ("Grillen") unterlassen - die Afrikaner sagen: Nur Narren (zu ergänzen wäre: Mitteleuropäer) und Könige (die haben einen Schirmträger) gehen in die Sonne. Im Wald spazieren gehen; dort ist weniger(!) Ozon vorhanden und die UV-Strahlung wird abgeschirmt. Den Körper gelegentlich danach absuchen, ob sich die schwarzen Punkte auf der Haut plötzlich stark verändern oder vergrößern - wenn ja, mit Blaulicht ins nächste Krankenhaus. Und nicht hysterisch werden. Denn der gänzliche Verzicht auf die Sonne ist ja auch nicht gesund; er macht gemütskrank und fördert andere organische Krankheiten.

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