Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Osttirols Wald besser nutzen!

Autor unbekannt
Medium Osttiroler Bote
Texttyp Artikel
Erscheinungsdatum 28. Jänner 1993
Kategorisierung Forstwirtschaft; 1993
Dipl.-Ing. Winfried Hofinger verlangt mehr Landesunterstützung für Holzheizungen

Einen Appell an die Waldbesitzer, ihr Holz besser zu nutzen, richteten die Referenten des Waldbauerntages. Andere Schnittermine erscheinen notwendig, um den Bedürfnissen der heimischen Verarbeitungsbetriebe zu entsprechen. Derzeit wird noch viel Holz "importiert". Der heimische Holzbedarf könnte aber leicht durch entsprechende Produktion in Osttirol selbst gedeckt werden. Kritik wurde an der zu geringen Landes-Unterstützung für umweltfreundliche Holzheizungen geübt. Ziel des Waldbauerntages war es auch, eine Vermarktungsorganisation der Waldbesitzer anzuregen.

Der Zustand des Waldes berührt heutzutage nicht nur Waldbesitzer, sondern viele umweltbewußte Bürger. Seelische Hemmnisse und Sperren ortet Dipl.-Ing. Winfried Hofinger von der Landeslandwirtschaftskammer als Grund für die Unternutzung: "Der Wald gilt vielen nach wie vor als Sparkasse. Wer den Beitrag des Vermögens Wald regelmäßig und stark nutzt, gilt vielerorts nach wie vor als Verprasser des väterlichen Erbes und nicht als kluger Wirtschafter." Hinzugekommen sei die Mentalität, daß "ein Baummörder ist, wer einen gesunden Baum umschneidet", zitierte er einen Artikel von DDr. Günther Nenning.

Im gesamten Bundesgebiet und vor allem auch in Osttirol verzeichnete man eine Unternutzung der Wälder. Jährlich über 50.000 Vorratsfestmeter mehr Holz könnte in Osttirol eingeschlagen werden, sagte Dipl.-Ing. Andreas Blassnig, der eine Studie über die Osttiroler Wald- und Holzwirtschaft erarbeitet hat. Und dieses Holz sollte eigentlich verwendet werden. Denn "das Altersklassenverhältnis in Osttirol weist einen eklatanten Altholzüberhang auf". Und weiter: "Bei einem so großen Altholzüberhang verliert das Horten von Holz seinen Sinn, weil es irgendwann verfault." In diesem Zustand nützt es dann niemandem mehr.

Dazu kommt noch der wirtschaftliche Aspekt, daß ein großer Teil des benötigten Holzes derzeit importiert werden muß. Allein 100.000 fm macht das bei Rundholz aus. Zusätzlich 15.000 m3 Schnittholz kommen noch dazu. "Das ist verwunderlich", meinte Blassnig, "wir haben doch selbst so viel."


Schlechtere Qualität

Sägewerke, Tischler und Zimmerer aber bringen entsprechende Gründe vor, warum sie Importholz verwenden. "Es wird kaum mehr einen Tischler geben, der auf grünes Holz zurückgreift" betonte Innungsmeister Gabriel Forcher. Und merkte dazu noch an: "Was uns für Holz angeboten wird, ist für uns Tischler nicht zu brauchen." Das Holz müsse trocken sein. Der Tischler kauft also den Großteil von auswärtigen Händlern.

Sägewerksbesitzer Josef Theurl aus Assling übte ebenfalls Kritik an der heimischen Holzproduktion: "Schwierig ist, daß relativ wenig gutes Holz anfällt." Und von anderen Ländern erhalte man billigere Ware. Er plädiert für die Schlägerung im Winter. Dort ist das Holz qualitativ besser. Er regte auch an, das Holz frisch zu schlägern und zu verkaufen. Vor allem solle man nicht nur jene Stämme, die knapp vor dem Umfallen seien, schlägern. "Wenn auf das alles Rücksicht genommen wird", so glaubt Theurl, "wäre es möglich, bessere Preise zu erzielen." 70 bis 80 % des Holzes kaufen die Zimmerer auswärts. Grund: In Osttirol bekomme man nur Holz von 4 m Länge angeboten, der Bereich von 4 bis 12 m sei fast nicht erhältlich, berichtete Karl Stocker. Man sei auf Spezialsägewerke angewiesen. Die Trockenheit beim Wandblockholz hält er für besonders wichtig. Das Holz der Bauern sei aber noch zum Teil waldsäumig und feucht.


Modell Pillersee

Welche Möglichkeiten sich den Waldbesitzern bieten, zeigt das Beispiel der Pillersee-Holzverwertung. "Wir wissen, daß wir auf die Weichenstellung der Agrarpolitik angewiesen sind. Trotzdem wollen wir ein wenig gegen den Strom schwimmen", sagte Obmann Stefan Wahl. 60 Bauern - sie besitzen rund 1.050 Hektar Wald - gehören zur Organisation. Es geht darum, das Fachwissen der einzelnen Bauern zu vertiefen, Kosten zu sparen und vor allem natürlich die Wertschöpfung aus der Waldbewirtschaftung zu erhöhen. Vor rund einem Jahr wurde "Piller-See-Holz" gegründet. Man hat bereits erreicht, daß die Zimmerer das Bauholz vorwiegend von den Bauern übernehmen. Sollen die Waldbauern auch trotz Holzkrise Schlägern? Liraabwertung, Konjunkturflaute, Preise im Keller - so wird die derzeitige Situation beschrieben.

Es sei keine Gegenstrategie, nicht zu Schlägern, meint Blassnig. Es gehe darum, den Marktanteil zu heben. Vermehrt eingesetzt werden könnte Holz auch in der Baubranche. Man müsse hier verstärkt Einfluß auf die Bauordnung nehmen, wurde in der Diskussion angeregt. Kritik gab es daran, daß die Feuerversicherungen bei Holzbauten höhere Beiträge verlangen.


"Hackschnitzel-Kraftwerk"

Naheliegend ist auch, mit Holzabfällen zu heizen. Blassnig hat errechnet, daß allein die Säge-Nebenprodukte in Osttirol jene Energie erbringen könnten, die dem Siebenfachen der Jahresleistung des jüngst fertig gestellten Kraftwerkes Leibnitzbach in St. Johann i. W. entsprechen. Die Holzmenge füllt ca. 7.000 Lkw-Züge. 80 Gigawattstunden könnte so ein "Hackschnitzel-Kraftwerk" erzeugen. Vor allem Hackschnitzel-Heizungen bieten sich an. Die letzte Novelle der Gewerbeordnung erleichtert es den Bauern, Brennstoffe zu liefern.

Hofinger kritisiert aber: "Was sich auf dem Sektor Holzheizen in den letzten zehn Jahren im Land Tirol abgespielt hat, was da politisch versäumt wurde, ist ein einziges Trauerspiel." Die Argumente, daß sich derartige Heizungen derzeit nicht rechnen, sieht er als nicht stichhaltig an. "Politik heißt zu einem guten Teil, das zu fördern, was wichtig und richtig ist. Was sich aber, aus welchen Gründen immer, nicht gleich ,rechnet'. Das, was sich rechnet, muß man weder reglementieren, noch fördern."


Holz verstärkt nützen

Zusätzliche Verwendungsmöglichkeiten von Holz in der Schutzlagen- und Hochwaldsanierung, bei Lawinenverbauungen und Hangstabilisierungen zeigte u. a. Dipl.-Ing. Dr. Klaus Meirer auf. Saubere Arbeit im Wald ist ihm wichtig, um Schädlingen keine Chance zu lassen. Möglichst weg von der Kahlschlag-Bewirtschaftung, Verteilen der Schlägerungen übers Jahr und vor dem Hacken mit dem Säger in den Wald gehen, empfiehlt er den Waldbauern. In einem Diavortrag zeigte er mehrere Beispiele: Restholz läßt sich z. B. auch als Kreuzzaun verwerten. In 15 Jahren habe man die höheren Kosten herinnen.

Der Waldbauerntag hatte den Zweck, Produzenten und Verwerter an einen Tisch zu setzen, die gegenseitigen Wünsche kennenzulernen. Resümee: Der Wald soll besser genützt werden. Der Bauer soll auch das Holz zweckentsprechender sortieren, um die Erfordernisse des Marktes erfüllen zu können. Und vor allem geht es darum, eine schlagkräftige Organisation aufzubauen. Bereits seit fünf Jahren gibt es die "ARGE Holz". Sie dient der Vermittlung von Brennholz. In Zukunft möchte man sich auch stärker der Vermittlung von anderen Nutzholzsortimenten widmen.


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