Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Nichts gilt der Prophet

Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernkalender
Texttyp Aufsatz
Erscheinungsdatum  ? 2008
Kategorisierung Tiroler Bauernkalender; Winfried Hofinger; 2008

Die Nachschau bei einer Vorausschau - aus 1982 auf 2000

Damals, so um 1980, als das Konzept für das Buch "Tiroler Bauern" (zum 100-jährigen Jubiläum einer gesetzlichen Interessenvertretung) erstellt war, da waren alle schönen, großen Kapitel bald einmal vergeben: Michael Forcher schrieb über die Zeiten vor der Gründung des Landeskulturrates 1882 und über seine ersten Jahrzehnte. Hans Schermer beschrieb die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bis 1955, die zugleich die erste Hälfte seines Lebens ausmachte. Robert Riedler behandelte die Jahre von 1955 bis 1980, die er selbst sehr aktiv mitgestaltet hatte. Und plötzlich merkte man, dass für den Verfasser dieser Zeilen, immerhin wieder einmal Pressereferent der Kammer, nicht mehr viel übrig blieb; allenfalls ein paar Kurzbeiträge, einer über den Wald oder einer über den "Mistapostel" Adolf Trientl.

Also sagte man: Schreib' über die Zukunft, über Tirols Bauern im Jahr 2000. Und wenn man jetzt den recht ausführlichen Beitrag "... Und im Jahr 2000" noch einmal liest, dann muss sich der Autor von damals heute nicht dafür schämen. (Als ich, im Herbst 1966, von Kammeramtsdirektor Alois Partl nach Wien geschickt wurde, um dort das Handwerk eines Agrarjournalisten zu erlernen, da wurde mir eine Vorausschau aus 1956 über die im Jahre 1966 zu erwartenden Landmaschinen vorgelegt - ich sollte überprüfen, wie sich die tatsächlichen Zahlen 1966 zu den Voraussagen von 1956 verhielten. Keine der 1956 vorhergesagten Zahlen stimmte mit den Tatsachen von 1966 auch nur annähernd überein. Gewitzigt durch dieses Erlebnis war ich 1982 sehr vorsichtig: Ich habe weder vorher noch nachher einen Artikel mit so vielen Fragezeichen versehen.)

Manche Vermutung, auch manche Befürchtung von 1982 trat inzwischen ein: Dass der Anteil der Bauern bis zur Jahrtausendwende auf unter 5 Prozent absacken würde; dass die Kühe wohl über 5000 Liter Milch im Jahr geben würden. Dass es bei vielen Nutzpflanzen nicht wieder eine Verdoppelung der Hektarerträge geben werde wie in den 20 Jahren vor 1882.

Bei der Abnahme der Rinder und der Rinderhalter war ich schon vorsichtiger - hier ergibt die bloße Verlängerung von bisherigen Trends übrigens besonders wenig. Verlängert man die Abnahme der Rinderhalter einfach so weiter und die der Rinder auch, dann unterschreiten beide Reihen einmal den Nullpunkt - aber in ganz verschiedenen Jahren, was nicht gut geht.

Die große Unbekannte war damals, wann und ob überhaupt je Österreich zur EU kommen würde. Wer hätte das um 1980 seriös voraussagen können? Richtig gelegen bin ich mit der Aussage, dass die zahlenmäßige Abnahme des Bauernstandes seine Bedeutung nur steigern könne; und dass es sinnlos sei, wenn diese Abnahme ständig so wortreich beklagt würde. Vor allem, wenn diese Jammerei von Leuten komme, die selbst dem elterlichen Hof den Rücken gekehrt haben, etwa um Kammerangestellte zu werden. Richtig gelegen bin ich darin, dass der Druck auf Grund und Boden, dem Letzten, was den Bauern geblieben ist, immer noch stärker werden wird. Und weil es gar so genau zutrifft, sei es hier abschließend wörtlich zitiert: "Das Absinken in die Minderheit wird die Neigung der Mehrheit, der Minderheit Vorschriften zu machen, noch einmal verstärken. Besonders wird diese Mehrheit nach dem schielen, was auch im Jahr 2000 vermutlich noch den Bauern gehören wird: nach Grund und Boden ... Auf diesen Angriff sozusagen auf etwas vom letzten, das ihnen noch geblieben ist, auf das Grundeigentum, müssen sich die Bauern zur Gegenwehr rüsten. Es wird dieser Angriff sicher kommen, weil die besiedelbaren Flächen nicht vermehrbar sind und weil das Unbehagen an einem Leben in den Ballungszentren eher noch zunehmen wird ... Der Bauer des Jahres 2000 also ein von der Mehrheit ausgehaltener Landschaftsgärtner? Ein auf dem letzten Rückzugsgefecht befindlicher Verteidiger seiner Landreserven?"

Wollen Sie wissen, was da zwischen den Pünktchen und rundherum stand, dann müssen Sie, verehrte Leser/-innen (das frauenfreundliche "Innen" gab es damals auch noch nicht!), den Artikel schon ganz lesen. So wie das schöne Buch insgesamt.


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