Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Tageszeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum  ?1991
Kategorisierung Umweltschutz; TIWAG; Transit; 1991

Naturschutzbeirat: Fünf verlorene Jahre?

Mit dem Jahresende geht die Funktionsperiode des Naturschutzbeirates zu Ende. Grund genug, nachzudenken, ob dieses Beratungsorgan der Regierung seinen Zweck erfüllt hat. Ob es der Natur oder der Umwelt jetzt besser geht als vor fünf Jahren. Der Beirat hat sich in diesen Jahren nie sehr darum gekümmert, ob ein Problem ein typisches Naturschutz- oder ein Umweltproblem ist. Gleich zu Beginn haben wir eine Arbeitstagung zum Thema "Klärschlamm" abgehalten. Es wurde mir von höchster Stelle mehrfach und öffentlich vorgeworfen, daß es in Tirol dabei keine ungelösten Fragen gäbe und daß ich daher die "G'schaftlhuberei" auf diesem Sektor bleiben lassen sollte. Erst in diesen Tagen hat sich der zuständige Ausschuß des Landtages bereit gefunden, in den Entwurf eines Boden-Schutzgesetzes den lapidaren Satz aufzunehmen: Die Ausbringung von Klärschlamm auf landwirtschaftlichen Böden ist verboten. Daß in Osttirol, für mich eine der schönsten Gegenden der Welt, nicht alle Bäche in einen Stausee abgeleitet werden, ist nicht darauf zurückzuführen, daß die Gegend so wunderschön ist, sondern weil sich, wie Minister Robert Graf mehrfach sagte, dieses Kraftwerk ,,nicht rechnet". Der Beirat vertrat hier eine sehr verantwortliche Ansicht: Kraftwerk ja, aber unter Schonung der oberen Isel. Gerettet hat die Umbalfälle und den ganzen Nationalparkraum nur der dramatische Preisverfall des Spitzenstromes. Im Inntal traten wir für eine möglichst schonende Planung bei weiteren Kraftwerksbauten ein. Die geschlossene Kraftwerkskette von Kufstein bis zum Engadin, wie sie bei der TIWAG auf dem Reißbrett bereits steht, wird natürlich abgelehnt. So wie die Verrohrung der letzten unberührten Bäche des Zillertales.

Die Nachdenkpause in der Lifterschließung findet die Zustimmung des Beirates. Es ist zu fürchten, daß diese von der Regierung verhängte Pause zum Planen neuer Anlagen genützt wird. Da fehlt wohl noch weitgehend das Bewußtsein, daß eine immer gleich weitergehende Zunahme die bestehende Substanz als erstes vernichten wird. Zum Überlebensproblem Tirols Nr. 1 - so LH Partl in seiner ersten Regierungserklärung zum Transitverkehr - hatte der Beirat keine Kompetenz. Ich habe mich hier als Privatmann engagiert und auch mit kräftigen Worten auf Bürgerversammlungen und in den Medien nicht gespart. Das führte zu wütenden Protesten derer, die am - zum Teil sinnlosen - Hin- und Hertransport von Waren aller Art gut verdienen. Es wurde mein Rücktritt gefordert, weil der Beiratschef kein Anarchist, sondern offenbar ein Kopfnicker sein soll. In allen Umweltfragen, aber nicht nur da, ist zu bemerken, daß das Land schon seit einiger Zeit nur mit halber Kraft regiert wird. Beispiel gefällig? Trotz aller Bemühungen der Forstleute bei Land und Kammer ist Tirol, im Gegensatz zu allen anderen Bundesländern, nicht bereit, das Holzheizen zu fördern. Es werden in allen Ländern alle paar Wochen abgasfreie holzbeschickte Dorfheizungen eröffnet. Dafür karren unsere Großsägewerke den Abfall bis in die Poebene. Vielleicht würde es dem Natur- und Umweltschutz im Lande nützen, wenn statt mir einer, der nicht bei so vielen Spitzenpolitikern Angst oder Wut erzeugt, an der Spitze des Beirates säße. Es käme auf einen Versuch an; an mir soll es nicht liegen. Ob Nichtregierenden und nicht Reagierenden durch die Auswechslung ihrer Gegenüber mehr Feuer einzuimpfen ist, darf allerdings auch bezweifelt werden.

Dipl.-Ing. Winfried Hofinger ist seit 1986 Vorsitzender des Naturschutzbeirates

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