Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

Wechseln zu: Navigation, Suche
Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 2. September 1993
Kategorisierung Verkehr; 1993

Nahverkehr

Seit kurzem pendle ich täglich nach Innsbruck ein. Rund 30 Minuten braucht die Stubaitalbahn für eine Strecke, die ich mit dem Auto in weniger als 15 Minuten bewältigen würde. Warum ich trotzdem, trotz täglich zweimal 15 Minuten, mit dem Zug fahre?

  • Der Umwelt zuliebe: 20 überflüssigerweise mit dem PKW zurückgelegte Kilometer jeden Tag ließen mich als Natur- und Umweltschützer ganz und gar unglaubwürdig erscheinen.
  • Des Geldes wegen: S 100,- kostet mich der Selbstbehalt beim öffentlichen Vekehrsmittel; S 1.700,- würden mich die PKW-Fahrten im Monat kosten.
  • Der Nerven wegen: Im Zug kann man lesen, schlafen, ausspannen. Probieren Sie das einmal im Stau!

Jeden Tag wieder bin ich erstaunt, wie wenig Erwachsene mit dem Zug pendeln und wie viele Autos (meist mit einer Person besetzt) aus allen Dörfern nach Innsbruck einfahren. Nicht jeder wohnt und arbeitet so nahe bei einer Zugstation wie ich.

Nichts geht den Leuten mehr auf die Nerven, als wenn sie einer, der sich (übrigens schon sehr lange) für das öffentliche Verkehrsmittel entschieden hat, als Umweltferkel hinstellt - weil sie noch immer mit dem Auto fahren. Jede Ausrede muß da herhalten, keine ist dumm genug. Was sie mit der gewonnenen Zeit anfangen, will ich dann auch noch wissen. Länger schlafen in der Früh, Kinderfernsehen am späten Nachmittag ...

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen