Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum  ?November 2001
Kategorisierung Frauen in der Werbung; 2001

Nackte Tatsachen

Je kälter die Jahreszeit, umso nackter die Weibspersonen auf den Plakatwänden. Einem, der nur mehr selten in die Stadt kommt, wird das eher auffallen als dem, der täglich davon umgeben ist In diesen Wochen zeichnen sich Palmers und Skiny besonders aus. Palmers plakatiert eine so gut wie nackte Frau, um damit für die paar Schnüre zu werben, die sie als so genannte Unterwäsche trägt. Das Model von Skiny gibt es in zweifacher Ausfertigung, mit geschlossenen wie mit gespreizten Beinen. Der Spruch dazu, übersetzt: Der Himmel kann warten - nicht warten brauchen die Männer, die da zustoßen wollen.

Hätten wir im Lande mehr selbstbewusste Frauen, wir hätten längst keine solchen Plakate mehr. Gerade in angeblich heidnischen nordischen Staaten lassen sich emanzipierte Frauen solche Schamlosigkeiten längst nicht mehr gefallen - und daher gibt es auch keine derart sexistischen Plakate mehr. Nicht wegen der Moral, sondern wegen des Geschäftes verzichtet man in der Werbung auf solche Bilder.

In Afghanistan müssen die Frauen sogar das Gesicht verhüllen. Sie dürfen keine Schulen besuchen und nicht außerhäuslich berufstätig sein. Das ist das andere Extrem. Aber: Wer das, was derzeit von den Plakatwänden schaut und was teilweise im Fernsehen geboten wird, kritiklos hinnimmt, der hat kein Recht, die Talibans zu verurteilen. Beides verstößt gegen die Menschenwürde.

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