Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 17. März 1994
Kategorisierung EU; 1994

Nacht und Nebel

Was immer vom Jumbo-Gipfel von Brüssel und seinen Ergebnissen zu halten ist - in einem waren sich alle Beobachter einig: Es ist dort unmenschlich zugegangen. Kein Mensch, auch wäre er jünger und gesünder als die Mitglieder der österreichischen Mannschaft, kann von sich behaupten, daß er Dutzende Stunden ohne jede Schlafpause konzentriert durcharbeiten kann. Jeder von uns erinnert sich an jene paar Nächte seines Lebens, die er nicht ins Bett gekommen ist; und wie gut oder, besser gesagt, wie schlecht wir dann am folgenden Tag drauf gewesen sind. Da waren wir noch jung, und wir hatten nicht über Lebensfragen unseres Landes für die nächsten hundert Jahre zu entscheiden.

In dieser Bunkerstimmung, ständig den drohenden Abbruch der Verhandlungen vor Augen, stimmt man dann wohl auch Lösungen zu, die man so eigentlich nicht gewollt hat. Nur, damit ein Ende absehbar ist. Man will ja schließlich nicht umsonst diesen mörderischen Gewaltakt auf sich genommen haben. Es heißt, daß solche Nachtschichten zum gewohnten Brüsseler Brauch gehörten. Übemächtigkeit sei das beste Mittel, schwierige Verhandlungen zum gewünschten Ende zu führen. Ich hätte mir gewünscht, daß die Österreicher spätestens am frühen Abend gesagt hätten, daß nun Schluß sei; und daß ab acht Uhr weitergeredet wird. Vielleicht wäre das Ergebnis dann anders geworden. Die Norweger sind gleich auf ein paar Tage heimgefahren, ohne daß deshalb gleich alle EU-Fahrpläne durcheinander geraten wären.

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