Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Methadon - Sterbehilfe auf Rezept

Autor Winfried Hofinger
Medium Die Furche
Texttyp Leserbrief
Erscheinungsdatum Ende 1989
Kategorisierung KIT; 1989


Als Schriftführer des Vereines KIT, der Tiroler Antwort auf das gerade in Tirol nördlich und südlich des Brenners so drängende Drogenproblem, bin ich für die Festschrift zum 15-jährigen Bestehen dieser Einrichtung zuständig und alleinverantwortlich. Unter den vielen Klientenbeiträgen war auch einer, mit rotem Stift geschrieben, ohne Absätze, ohne Namen, zum Thema Methadon. Erst wegen der Aufregung, die dieser Bericht auch in Tirol verursacht hat, kam ich darauf, daß ihn ein Mädchen geschrieben hat, also eine Anonyma.

In einem Begleitbrief an die Drogenvertrauenslehrer im Lande schrieb ich sinngemäß, es würde den Damen und Herren Lehrern sicher auffallen, daß die vielen Beiträge der Klienten des KIT sprachlich um vieles besser seien als die von Amtspersonen. Nicht, weil Drogenmißbraucher so tolle Kerle wären, sondern weil sie Betroffene, Leidende sind.

Niemand bei uns im KIT würde auf die Idee kommen, das, was einer unserer Klienten niederschreibt, für bare Münze zu nehmen. Wer in diesem Metier gutgläubig ist, wird sehr oft enttäuscht werden. Wir haben fast alles, was von den Klienten pünktlich bis zum Redaktionsschluß geliefert wurde, abgedruckt - weil wir keinen, der sich hingesetzt und etwas geschrieben hat, enttäuschen wollten. Es schien uns nicht angebracht, diese Artikel auf ihre Unbedenklichkeit und ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen, bevor sie in die Setzerei kamen. Die Überschriften sind allerdings von mir - ich war jahrelang Journalist ...

In Österreich wird heute ja nicht darüber diskutiert, ob Methadon genommen werden soll oder nicht. Wer Wochenblätter aller Art zum Thema "Drogen" durchblättert, findet in fast allen Kampfesartikel für die möglichst rasche Freigabe aller derzeit illegalen Drogen. In dieser skurrilen Welt gibt es, weit hinter den sieben Bergen, eine seit 15 Jahren wirkende Institution, die das Drogenproblem nicht mit Ersatzdrogen lösen will. Wer sich, als Furche-Leser, über das KIT näher informieren will, wer unsere Festschrift lesen will, schreibe eine Postkarte an das KIT in 6150 Steinach am Brenner. Der zugesandten Broschüre wird ein Erlagschein beiliegen, denn das KIT lebt auch von seinen zahlenden Freunden.

Unsere Mitarbeiter üben den härtesten Beruf aus, den wir bürgerliche Vorstandsmitglieder uns vorstellen können. Wenn die uns sagen, daß sie die Anwendung von Ersatzdrogen aus vielerlei Gründen ablehnen, dann haben wir keinen Grund, ja kein Recht, daran zu zweifeln.


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