Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 2. Juni 1994
Kategorisierung EU; SPÖ; 1994

Meinungsmache

Ein Polizist vor dem Kanzleramt hat sich nicht in die Gespräche zufällig vorbeigehender Politiker einzumischen. Und wenn, hat er "habe die ehre Herr Minister", "Jawohl Herr Sektionschef", "Ganz Ihrer Meinung, Herr Abgeordneter", zu sagen. Sagt der Polizist vor dem Kanzleramt Kritisches zur EU, dann wird er ins Gefangenenhaus strafversetzt. Welcher Teufel muß den geritten haben, der diese Versetzung verfügte? Das schöne Gedankengebäude, daß jeder bei uns sagen dürfe, was er will, sogar kritische Töne - es stürzt ganz plötzlich ein. Wenn ein von sozialistischer Brüderlichkeit geprägter Abgeordneter vorbeigeht, hat der gewöhnliche Polizist ihm die Türen aufzuhalten, einen Dienstwagen herbeizupfeifen, dem hohen Herrn in den Mantel zu helfen, ergebenst ein paar Schilling Trinkgeld einzustreifen - und den Mund zu halten.

Sagt er, was er zur EU denkt, dann schädigt er das Ansehen der Republik und ist daher sofort strafzuversetzen. Alle Erklärungen und Ausreden, daß es in Wirklichkeit ganz anders gewesen sei, machen die Sache nur noch schlimmer. Metternich läßt grüßen. Mir graut vor Nowotny und seinesgleichen.

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