Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

Wechseln zu: Navigation, Suche
Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 21. Mai 1998
Kategorisierung Franz Fuchs; Medien; Justiz; 1998

Medienjustiz

Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung, wird dann regelmäßig gesagt, oder so ähnlich; wenn von jemandes Schuld alle überzeugt sind, er aber nicht voll gestanden hat und noch nicht rechtskräftig verurteilt ist. Eigenartig, daß im Fall Fuchs, in dem Indizien und Teilgeständnisse zuhauf vorliegen, der zuständige Richter, der Polizeiminister und alle Medien - vom ORF bis zu allen Zeitungen - so tun, als ob die Gerichtsverhandlung nur mehr eine Formsache wäre. Warum gibt ein Richter überhaupt ein Fernsehinterview? Warum plaudert der Innenminister im Parlament Details aus, die die Ermittler im Prozeß darzulegen hätten und sonst nirgends? - Weil wir in einer mediengeilen Welt leben. Fast niemand sagt einem Reporter ein klares "Nein", wenn er etwas von ihm will. Niemand in politischen Kreisen geht an einem Mikrophon vorbei. Weil die Medien ja ihre eigenen Bezugsquellen verschütten würden, wird von ihnen die Unsitte des unkontrollierten Daherredens nie als bedenklich hingestellt.

In Ländern mit mehr Rechtskultur würde die Vorverurteilung von Franz Fuchs, für dessen Schuld natürlich alles spricht, durch Medien, Politiker, Richter und Polizei ah strafmildernder Umstand gewertet.

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen