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Maria Hutter-Ratschiller: Kirchenbau in schwierigen Zeiten

Autor Winfried Hofinger
Medium Innsbruck Informiert
Texttyp Artikel
Erscheinungsdatum Oktober 2008
Kategorisierung Kirchliches; Architektur; Frauen in der Kirche; Mutters; 2008

Es sind ganz wenige Kirchen, die zwischen den beiden Weltkriegen in Tirol erbaut wurden: Jene auf der Innsbrucker Hungerburg (von Siegfried Thurner), eine Welzenbacher-Kirche in Huben und die von Hans Menardi und Hans Watzel gebaute Kirche in Fritzens. Es war einfach kein Geld da; und wenn man, wie Frau Maria Hutten für die Herz-Jesu-Kirche in Kreith einiges Geld gesammelt hatte, dann schwand sein Wert in der rasenden Inflation um 1925 innerhalb weniger Wochen auf Nichts zusammen. Im Pfarrarchiv Mutters sind die Rechnungen über Millionen Kronen erhalten - und ab dem Jahr 1926 sind es, für die gleiche Leistung, hundert Schilling.

Wer war die Frau, die trotz aller widrigen Umstände für Kreith, die damals zweitkleinste Gemeinde Tirols, einen Kirchenbau durchgesetzt hat? Maria Ratschiller wurde am 29. Juli 1882 als Tochter des Finanzrates Karl und dessen Gattin Karoline in Innsbruck geboren. Sie kam 1906 als erste Lehrerin nach Kreith. Unterrichtet wurde in einer von der Gemeinde gemieteten Villa. Nach ihrer Heirat mit dem Bauersmann Michael Hutter im Jahre 1909 schied sie aus dem Schuldienst aus - und trotzdem erwirkte sie den Bau eines Schulhauses, das dann 1913 innerhalb von ein paar Monaten errichtet wurde.

Schon vor dem Ersten Weltkrieg fasste sie den Entschluss, anstelle der zu kleinen Kapelle eine Kirche zu bauen. Die 1913 verfertigten Pläne sind leider verschwunden. 1924 wurde ein Baukomitee gebildet, das den Innsbrucker Max Thaler (1891 - 1969) mit der Verfassung neuer Pläne beauftragte. Nach der Bewilligung eines Neubaues durch die Apostolische Ad-ministratur - eine Diözese Innsbruck gibt es erst seit 1964 - schritt man ans Werk. Max Thaler war ein Mitarbeiter von Clemens Holzmeister. Nach der Broschüre "200 Jahre Pfarre Mutters" von Pfarrer Dominik und Franz Thaler (nicht verwandt mit Max Thaler) sei es aber falsch, Thaler als Schüler von Holzmeister zu bezeichnen - als ob das eine Schande wäre ...

Das Hauptproblem war die Aufbringung des für den Bau trotz aller Eigenleistungen der "Kreithiger" benötigten Geldes. Maria Hutter war da sehr erfindungsreich und umtriebig. Mit Bewilligung der zentralen Behörden in Wien veranstaltete sie eine Lotterie, die aber recht wenig einbrachte. Sie reiste als Sammlerin in die Schweiz und bis nach Holland. Andere Mitglieder des Komitees blieben im Lande und sammelten da. In den erhaltenen Listen sind viele Innsbrucker verzeichnet, die zuerst ein paar hunderttausend Kronen und dann einige Schillinge gespendet haben.

Maria Hutter hat die Verhandlungen mit den Künstlern geführt. Es ist ein Brief erhalten, in dem sie dem Maler Ernst Nepo bis ins Detail vorschreibt, wie volksnah er die Fresken auszuführen hat. Und wenn er statt der Geburt Jesu mit den Hl. Drei Königen "nur" eine Verkündigung malt, dann hat er einen Preisnachlass zu gewähren. Sie selbst soll ihr ganzes privates Gold und Silber für die liturgischen Gegenstände (die zum Teil auch Thaler entworfen hat) gespendet haben. Im Mai und im August 1930 wurde in der Kirche eingebrochen und alle beweglichen Wertgegenstände geraubt. Es gibt da eine Rechnung von der Eisenhandlung Leis (Marktgraben): Da wurden, eine Woche zu spät, Ketten und Schlösser gekauft!

In den vergangenen Monaten wurde die Kreither Kirche umfassend renoviert. Nach sorgfältiger Abwägung aller Argumente entschied man sich, bevor man ans Werk ging, die beiden rund 130 Jahre alten Fichten, die dem Bau sehr zugesetzt haben, zu entfernen. Zur 80-Jahr-Feier im Oktober 2008 wurde Fritz Thaler (Beamter des Stadtmagistrates Innsbruck in Ruhe), der Sohn von Max Thaler, geladen. Er kann sich an die Einweihung 1928 noch gut erinnern - er saß an der Festtafel als 7-jähriger Bub dem Bischof Waitz gegenüber.

Maria Hutter starb am 26. Oktober 1959. Pfarrer Gebhard Pfluger schrieb ins Totenbuch: "Vorbildlich gläubige Frau, die unendlich viel Gutes tat. Ihr ist es zu danken, daß Kreith ein so schönes Kirchlein hat ... Gott der Herr sei ihr ewiger Lohn."


Von der Zeitschrift "Innsbuck informiert" erhielt dieser Artikel einen Vorspann über "500 Jahre Kaiser Maximilian" ...

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