Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 19. Jänner 1989
Kategorisierung Spielsucht; 1989

Lasterhöhlen

Kinder und Narren stellen oft die einzigen richtigen Fragen. Manchmal auch Professoren oder Betrunkene. Hat in den vergangenen Monaten einer von denen öffentlich nachgefragt, ob Innsbruck wirklich ein weiteres Casino "braucht"? Der hl. Augustinus hat, obwohl im Alter prüde und leibfeindlich, gesagt, es sei - nach dem Prinzip des geringeren Übels - der Betrieb eines Bordelles besser als das Vergewaltigen von ehrlichen Bürgersfrauen. Na, ja. Innsbruck hat mindestens ein Bordell und einen Straßenstrich weltstädtischen Ausmaßes. Casinos gibt es in Seefeld und Kitzbühel. Wer außer Landes sein Geld verputzen will, kann das in Bregenz, Salzburg, Garmisch und so weiter tun. Ich bin der unmodernen Ansicht, daß ein Casino eine ähnlich unmoralische Anstalt ist wie ein Bordell. Es werden dort Existenzen vernichtet, Familien zerstört - weil nichts so sicher ist wie die Tatsache, daß im Casino im Schnitt viel mehr verloren als gewonnen wird. Alles andere wäre gegen die ehernen Gesetze der Mathematik. Im Bundesbudget ist der "Erfolg" dieser Häuser ein Fixposten. Die Gemeinde, in der ein solches Lokal steht, bekommt einen Anteil von dem, was die Spieler dort lassen. Es ist ein Schandgeld. Eine Kirche, wie ich sie mir wünsche, würde ihre Hausbank (Schellhammer & Schattera) beauftragen, ihr Aktienpaket der Casino-AG endlich zu verkaufen.


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