Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 2003
Kategorisierung Kirchliches; Politisches; 2003

Landesüblicher Empfang

Nach der Bischoftweihe am Sonntag wird es auf dem Innsbrucker Domplatz einen so genannten landesüblichen Empfang geben. Jedes Kind im Lande weiß, wie so etwas abläuft. Es ist das in der Tat etwas auch für Kinder, wie jedes festgefügte Ritual. Ein Schnapserl, also von der stärksten legalen Droge nehmen. Schüsse in die Luft abgeben. Das Abschreiten der Ehrenformation. Wichtig ist, so sagen alle Kulturphilosophen, in solchen Fällen nicht der Sinn, der hinter jeder einzelnen Geste liegt. Sondern: dass alles ganz genau nach starren, durch die Tradition geheiligte Regeln abläuft. Nichts darf spontan sein - so wie die meisten unserer Gottesdienste auch. (Demnächst soll es eine römische Schelte geben, nach der beispielsweise in Gottesdiensten nicht geklatscht oder getanzt werden darf. Dabei gibt es in Afrika weite Regionen, wo bei jedem katholischen Gottesdienst ganz selbstverständlich geklatscht und getanzt wird. Als Mutter Teresa selig gesprochen wurde, da wurde auf dem Petersplatz getanzt. Und geklatscht sowieso. Nicht mehr lange!)

Bischof Manfred ist jünger als die durchschnittlichen Gottesdienstbesucher. Er war viel in Studentengemeinden zuhause. Von ihm ist nicht zu erwarten, dass er das Korsett der Rituale höher bewertet als die spontane Reaktion auf die jeweilige Situation. Wobei es mit den Ritualen nicht so einfach ist: Besser als jede gekünstelte oder ungekonnte Spontaneität, besser als gespielte Ekstasen sind sie immer noch. Rituale können sogar Ruheplätze sein, von dem sich der Geist unbesorgt emporheben kann. Das Ritual läuft indessen von selber weiter.

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