Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Kulturlandschaft, wandelbar bis heute

Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Artikel
Erscheinungsdatum 7. Februar 2002
Kategorisierung Raumplanung; 2002
Das Brixental mit und ohne menschlichen Einfluss - der Unterschied ist mit freiem Auge zu sehen. Auch ohne die einzelnen Farben zu kennen, fällt auf, dass die Landschaftsbilder (links) ohne menschliche Eingriffe viel eintöniger, großflächiger wären als das, was wir heute kennen (rechts).
Das kräftige Rot auf der Sonnseite des Brixentales und zu beiden Seiten des Leukentales sind Ahorn-Stieleichen-Wälder; diese wurden zurückgedrängt, weil diese besonnten Gunstlagen in einem Gebiet mit einem relativ rauen Klima auch die ertragreichsten Äcker tragen können. Wiesen gab es ursprünglich gar keine. Die grauen Farben an den Bachläufen signalisieren Eschen, Weiden- und Grauerlenbestände - heute sind die Erlenstauden auf ganz schmale Streifen entlang der Großache zurückgedrängt - eine Folge der Bachregulierung und von Entwässerungen. Nördlich von Kirchdorf wird derzeit versucht, die hundert Jahre alte Großachenregulierung wieder ein wenig zurückzubauen. Noch sind diese Flächen rosa eingetragen, als Obstgärten, Garten- und Ackerbau, oder gelb, als Mähwiesen. Die heutigen Almwiesen wären, vom Menschen nicht gerodet oder geschwendet, und früher regelmäßig geputzt, Fichten-, Tannen-, Lärchen- oder Zirbenwald, zuoberst Latschenbestände, je nach Höhenlage und Niederschlägen. Zirben wären, je näher man zur heutigen Grenze nach Salzburg kommt, relativ gut vertreten gewesen - heute gibt es sie im Bezirk Kitzbühel nur mehr recht spärlich.


Der Wald kommt wieder

Das Zurückdrängen des Waldes zu Gunsten landwirtschaftlicher Nutzflächen dauerte bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Seither nimmt der Wald fast überall zu - Bergwiesen und schlechtere Almen wachsen zu, oder sie werden, wie etwa Teile des Almgebietes unterhalb der Spießnägel, im Bereich der fast ebenen Hirzeggalm, zugesetzt, jeden Meter eine Fichte und dazwischen ein paar Lärchen. Das Musterbeispiel einer Kulturschande, auch wenn Forstleute eine gelungene Aufforstung eine "Kultur" nennen ... Der Innsbrucker Universitätsprofessor Ferdinand Ulmer, bekannt für große Töne, sagte einmal: "Der Bauer schuf das Alpenland." Das ist natürlich weidlich übertrieben, aber was stimmt ist dies: Ohne die Tätigkeit des Bauern und seines Gesindes wäre unser Gebiet ein geschlossenes Waldland, baumfrei wären nur die Spitzen des Horns, der Salve, der Rettenstein und natürlich das Kaisergebirge. Hier könnte niemand leben und auch das Skifahren ist in einem geschlossenen Wald eher mühsam. In manchen Bezirken Niederösterreichs (Scheibbs) und der Stiermark ist es bald so weit. Es gibt dort auch so gut wie keinen Fremdenverkehr.


Was bringt die Zukunft?

Wie wird das alles weitergehen? Eine Frage, die Raumplaner, Agrarpolitiker gleichermaßen beschäftigt. Mit einem Tannenanteil von einem Viertel und darüber ist die Naturverjüngung, das Stangenholz, heute fast frei von Tannen. Und sonst? Werden noch mehr so genannte landwirtschaftliche Grenzertragsböden aufgeforstet? Werden nur mehr Skipisten oder Golfplätze frei von Verbauungen bleiben? Fragen über Fragen, die schwer zu beantworten sind. Wer hätte sich vor vierzig, fünfzig Jahren zu sagen getraut, wie die Kulturlandschaft heute ausschaut?

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