Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Johannes Lugger
Medium Tiroler Tageszeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum Oktober 1991
Kategorisierung Klärschlamm; Johannes Lugger; 1991
Anmerkung des Herausgebers Reaktion dazu zeitgleich Der Zwang zur Entscheidung

Klärschlamm und kein Ende

Wenn der Vorsitzende des Tiroler Naturschutzbeirates und Pressesprecher der Landwirtschaftskammer, Dipl.-Ing. Hofinger, seine aufgestauten Aversionen gegen den Klärschlamm im allgemeinen und dessen Aufbringung auf landwirtschaftlich genutzte Flächen im besonderen regelmäßig und öffentlichkeitswirksam losläßt, so mag dies sein gutes Recht sein. Kritisch wird es jedoch dann, wenn ein fachlich so gut ausgebildeter Bauernvertreter inhaltlich die Öffentlichkeit bewußt falsch informiert. Ich habe mehrmals und eindeutig betont, daß auch für mich Klärschlamm und Landwirtschaft unvereinbar seien. Wenn nun das tief in der Schublade vergrabene Bodenschutzgesetz dies auch vorsehe, sei dagegen nichts einzuwenden. Allerdings gehe die Tendenz der Bauernvertreter dahin, aus einem Bodenschutzgesetz schlichtweg ein Klärschlammverhinderungsgesetz zu konstruieren. Und dagegen muß Einspruch erhoben werden. Daß die Bauern, nebenbei bemerkt, bei den Kläranlagen anstünden, um das begehrte Material abholen und aufbringen zu können, stehe auf einem anderen Blatt. Damit sollten sie, die Bauern, jedoch selbst fertig werden.

Eine meiner ersten Initiativen war die Gründung einer Arbeitsgruppe für ein Klärschlammverwertungs- bzw. Entsorgungskonzept für Tirol. Darin arbeitet Dr. Wassermann von der Landwirtschaftskammer mit. Am 2. Oktober fand die konstituierende Sitzung statt, bereits in dieser Woche besichtigten die Mitglieder dieser Arbeitsgruppe Anlagen in Deutschland und Frankreich, die unter Verwendung von Klärschlamm, versetzt mit mineralischen Trägersubstanzen wie Ölschieferschlacke in Darmstadt oder mit Holzrinde (Faulquemonte) hochwertige Kultursubstrate zur Bodenverbeserung und Rekultivierung erzeugen. Auch die Landwirtschaftskammer und Hofinger persönlich waren eingeladen, daran teilzunehmen. Dies scheiterte an der Sparsamkeit der Kammer, die anscheinend nicht bereit war, die Fahrtkosten für ihren Vertreter zu übernehmen.

Die in Frankreich mittels Klärschlamm erzeugte Spezialerde wird als Basisstoff für eine weltweit bekannte französische Champagnermarke verwendet. Es ist daher hoch an der Zeit, mit unhaltbaren Verteufelungskampagnen und Argumenten aus der Großmutterzeit, unterlegt mit dem Motto "das Land tut nichts", aufzuhören. Ich bitte auch um Verständnis dafür, daß ich wiederum verhindern will, daß die landesweit jährlich anfallenden 68.000 Tonnen vom Deponieraum ausgespart bleiben.

Johannes Lugger ist Richter und Tiroler Landesrat für Umweltschutz.
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