Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

Wechseln zu: Navigation, Suche

Klärschlamm im Feinkostladen?

Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauern
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum Dezember 1991
Kategorisierung Klärschlamm; 1991

Unbestritten ist: Es ist zu begrüßen, daß all das, was die Ausgüsse von Haushalten, Hotels und Betrieben verläßt, nicht ungeklärt in unsere Flüsse (und Seen) abrinnt. Je größer das Einzugsgebiet eines Klärwerkes ist, umso bunter ist der Cocktail gemixt, der beim Werk hereinrinnt. Für große Werke gibt es aber auch vernünftige Gründe: Technik und Wartung werden in der Großkläranlage Straß (Einzugsgebiet von der bayrischen bis zur Südtiroler Grenze) sicher besser sein als bei einer örtlichen Quetschen.

Klärschlamm enthält in erster Linie Wasser (als Naßschlamm weit über 90 Prozent). Dann einen bunten Strauß an Schwermetallen. Die Behauptung, daß im Kunstdünger "mehr" Schwermetalle seien als im Klärschlamm, ist so undifferenziert, daß sie nicht überprüfbar und daher auch nicht widerlegbar ist. In der Trockensubstanz? Welche Schwermetalle? - Manche von ihnen sind als Spurenelemente lebenswichtig. Sicher ist, daß sich Schwermetalle nie verflüchtigen, sondern anhäufen.

Die Schwermetalle sind bei weitem nicht das Hauptproblem. Sie sind, im Gegensatz zu den vielen organischen Verbindungen, relativ leicht meßbar. Man kann da sogar Grenzwerte angeben, die man dann, wenn man die Schlämme und die Böden regelmäßig prüfen würde, einhalten könnte. Nicht voraussagen kann man allerdings, ob nicht bei den Grenzwerten, die heute gelten, eines Tages der Dezimalpunkt um eine Stelle verschoben wird.

Klärschlamm enthält sehr viel Stickstoff, und das in sehr ähnlicher Form wie Jauche und Gülle. Auf jenen Flächen, auf denen Klärschlamm, auch nach den laxen Richtlinien des Landes und nach den Vorschriften des Milchwirtschaftsfonds ausgebracht werden darf (also nicht auf Almen, im Wald, auf steilen, seichtgründigen vernäßten Böden, nicht im Silosperrgebiet), ist die Stickstoffüberdüngung ein ernstes Problem. In Straß ausgerechnet trifft es 3,72 Großvieheinheiten je Hektar. Kein kg Klärschlamm hat hier mehr Platz.

Was sonst noch alles im Klärschlamm an (organischen) Verbindungen ist, weiß man nicht so genau. Was wird in der Kläranlage aus jenen blauen Wunderwürfeln, die das Klo in eine Insel der Frische verwandeln, daß man darin essen könnte? Was wird aus den weggeworfenen, was aus den ausgeschiedenen Medikamenten?

Daß die Gemeinden in einer Zwangslage sind, wird niemand bestreiten. Noch vor ein paar Jahren schrieb man in die Baubescheide der Kläranlagen, daß die Endverwertung über die Landwirtschaft zu erfolgen habe. Und jetzt kommen ein paar Spinner von der Landwirtschaftskammer und sie verteufeln ihren "Nährschlamm", wehren sich gegen eine Kreislaufwirtschaft, wie sie doch sein sollte.

Einzelne Bauern machen mit der Abnahme des Klärschlammes rasches Geld ("Zweimal zum Klärwerkgefahren, und ich kann morgen auf den Ball gehen ..."). Im Interesse der Landwirtschaft als ganzes, und im Interesse der Konsumenten, muß man für das absolute Klärschlammverbot auf allen landwirtschaftlich genutzten Flächen sein.

Was dann? Verbrennen, deponieren, kompostieren, exportieren? Das ist nicht das Thema unseres Beitrages; bei allem Mitleid mit jenen, die jetzt ratlos in der Jauche stehen.

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen