Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Kismet oder Leichtsinn?

Autor Winfried Hofinger
Medium  ? Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Artikel
Erscheinungsdatum  ?1966
Kategorisierung Verkehr; Unfälle; 1966

Von diesem Traktor wurde der Jungbauernobmann Richard Seewald aus Mieders im Stubaital in Tirol erschlagen. Er ist nur einer von 5 Absolventen der Lehranstalt Rotholz, die im vergangenen Jahr mitten aus ihrer Berufsarbeit gerissen wurden. Sie standen im Alter von 19 bis 33 Jahren. Was die Männer vom Unfallverhütungsdienst im Falle Seewald so erschüttert hat, war neben der Tragik des Falles vor allem die Einstellung der Freunde und Nachbarn des verunglückten Jungbauern: Da könne man halt nichts machen, wen es erwischen müsse, den erwische es, da nütze keine Vorsicht! Statt daß der Tod eines gut ausgebildeten Bauern für sie Grund zur Überlegung geworden wäre, wie man solchen Unfällen in Zukunft begegnen könnte, also eine völlig apathische, gleichgültige, fatalistische Einstellung. "Traktor hin, Traktor her, steiles Gelände oder ebener Boden ... wenn die Stunde da ist, kannst' nichts machen", meinte ein junger Teilnehmer an Seewalds Begräbnis.Die Araber nennen das Kismet: Die Einstellung, man könne trotz aller seiner Bemühungen sein Schicksal nicht beeinflussen.

Christlich ist sie nicht. Die Verantwortlichen vom Unfallverhütungsdienst baten daher Kaplan Penz von der Lehranstalt Rotholz um ein offenes Wort. Er gab unter anderem zur Antwort: "Die Natur mit ihrer Flieh- und Schwerkraft, mit den vielen Gesetzlichkeiten ist die Ordnung Gottes, die für alle gilt! Das ist sein vorgezeichneter Ablauf der Dinge. Ich darf auch beim Weg in die Kirche nicht auf der falschen Seite gehen, oder, um in den Gottesdienst zu kommen, allzu schnell fahren. Als ob Gott für den Kirchgänger eine eigene Naturordnung geschaffen hätte! Steht aber nicht doch hinter allem ein unentrinnbares Schicksal, die entscheidende Kraft? Du kommst halt doch nicht aus?! - Hierauf gibt die Bibel Antwort: Christus tut alles, was nach menschlicher Überlegung zu tun ist. Er flieht vor Herodes und seine Mutter wird Flüchtlingsmutter. Er redet sich nicht auf den Zufall aus, oder, wenn es Gottes Wille ist, tritt es sowieso ein. Bei der Rückkehr wartet er nochmals bis zum Tod des Herodesnachfolgers. Er geht auch später oft den Feinden aus dem Weg. Und er schläft vom Palmsonntag weg nicht mehr in Jerusalem, weil es zu gefährlich war.

All das mahnt uns, daß wir als Menschen immer menschliche Vorsicht walten lassen." Entscheidend sei, so meint Kaplan Penz, die innere Haltung, Wenn junge Familienväter vor 6er-Touren, die sie als Ledige häufig unternommen haben, plötzlich zurückschrecken, dann geben sie doch zu, daß sie vorher mit dem Leben gespielt haben. Dürfen wir das? Kaplan Penz meint dazu: "Keiner gibt sich das Leben selbst. Wir haben es nur zu Lehen. Darum liegt jedes Leben unter einer ernsten Verantwortung. Was zu treuen Händen anvertraut ist, darf ich nicht leichtsinnig oder zu waghalsig vergeuden. Geistesgestörte sind entschuldigt. Aber allen anderen gilt das ernste Wort von der "Rechenschaft"! Meist muß dann das Schicksal als billiger Lückenbüßer herhalten und der "Zufall" soll die Rechnung begleichen." Ernste Worte zu Beginn eines neuen Arbeitsjahres. In unser aller Hand liegt es, dafür zu sorgen, daß wir im nächsten Jahr weniger Tote zu beklagen haben!

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