Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 6. November 1997
Kategorisierung FPÖ; Jörg Haider; Johannes Paul II;Kirchliches
Anmerkung des Autors Nach Anregung Keusch.

Kirchenmäuse

Die Lager, aus denen die Stammwähler der Freiheitlichen kommen, sind in erster Linie großdeutsch und antiklerikal. Auch die sogenannten Liberalen sind ja keineswegs für eine möglichst große Freiheit der Meinungen eingetreten, sondern für die eigene. Daß unter den Nazis die Kirchenleute gleich viel zu leiden hatten wie die Kommunisten, wissen junge Politologen oft kaum mehr. Aber was kann unsereins für die Bildungslücken der anderen?

Je mehr die Freiheitlichen an Stimmen gewinnen, desto tiefer müssen sie naturgemäß in andere Lager ausgrasen. Je mehr Posten sie zu besetzen haben, desto öfter greifen sie da auf einen, der eigentlich ganz woanders daheim ist. Auf den Absolventen des Haller Gymnasiums und Mitglied einer katholischen Verbindung als Landesrat etwa. Manchmal gibt es auch Fehlgriffe, wenn man mehr Posten zu vergeben hat, als man gute Leute hat.

Und jetzt zum Christentum, das aus einem Gottesbezug, über den nicht geschrieben werden soll, und aus der Nächstenliebe besteht. Der Parteiobmann hat behauptet, er zitiere den Papst, wenn er diese wichtigste aller christlichen Tugenden auf die eigenen Landsleute beschränke. Schade, daß er die genaue Stelle der Papstworte nicht angab - vermutlich gibt es sie nicht. Dafür gibt es hunderte Mahnungen des Papstes gegen unseren mitteleuropäischen Egoismus. Im Evangelium steht zu diesem Punkt oft und oft geschrieben, was gemeint ist. Etwa, daß man einem Menschen, der hilflos am Wegrand liegt, seine Fürsorge schenken soll, ganz gleich, wer er ist. Priester (und Parteiobmänner?) ließen den Verletzten achtlos liegen. Jemand aus dem verachteten Samaria nahm sich seiner an.

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