Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung  ?
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum  ? 2000
Kategorisierung FPÖ; Nationalsozialismus; 2000

Kinderstube

Jedem von uns fallen solche Beispiele, Zitate und Redewendungen ein, die wir von Kind auf gehört haben. Wenn der Klubobmann der ÖVP sagt, in der Liturgie dieser und jener Verhandlungen sei man erst beim Stufengebet angelangt, so darf man daraus schließen, dass er in seiner Jugend Ministrant war (Innsbrucker Jesuitenkirche, um 1955). Der Zungenbrecher aller Ministranten, "ad deum qui laetificat juventutem meam", eben das Stufengebet, wird übrigens seit gut dreißig Jahren nicht mehr gebetet. Dass das keinem aufgefallen ist, läßt wieder einige Schlüsse zu.

Wenn einem neugewählten Parteiobmann in eine Dankesrede das Motto der SS einfließt, dann heisst das nicht unbedingt, dass er damit die SS verherrlichen oder verniedlichen wollte. Eher ist das so zu erklären: Auf den meisten Begräbnissen, die er in letzter Zeit besucht hat, war auch ein Kranz mit diesem an und für sich richtigen, aber halt mit tausendfachem Blut Unschuldiger befleckten Spruch. Er hat diesen Spruch so oft gelesen, dass er ihn sich gemerkt hat. Das wäre noch die harmloseste Erklärung. Wer nicht so milde urteilt, wird sich denken, dass der Mann in Zirkeln und auf Stammtischen daheim ist, wo bewusst oder unwissend in der Nachfolge dieser verbrecherischen Organisation geredet und gedacht wird. An sich muss man sich bei der Ahnenreihe der FPÖ über nichts mehr wundern. Der nächste diesfällige Spruch kommt bestimmt. Vorschlag: Mauthausen war, wie Dachau, ein Erholungslager.

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