Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 8. Jänner 1987
Kategorisierung SPÖ; Terrorismus; Klassenkampf; 1987

Kein Mitleid mit Erwin Lanc

In Wiener politischen Kreisen, die recht weit links stehen, wird zur Zeit eine heftige Diskussion darüber abgeführt, ob Erwin Lanc, einstens Minister auf mehreren Posten, wieder in den Nationalrat einziehen soll. Lanc stand auf der Wiener Liste an vierter Stelle. Daß er nicht Nationalrat wird, ist glatter Wählerbetrug.

Es weht da aber auch ein Hauch von ausgleichender Gerechtigkeit. Fast niemand erinnert sich noch daran, daß Lanc es war, der damals (nicht als Parteivorsitzender von Margarethen und nicht als Präsident des Handballverbandes, sondern) als Innenminister der Republik Österreich am Abend des Nittel-Mordes öffentlich sagte, es sei der Klassengegner gewesen, der am Kampftag der Arbeiterklasse dem Nittel-Mörder die Hand geführt habe. Als sich dann Monate später herausstellte und auch durch ein Gericht festgehalten wurde, daß ein Palästinenserkommando den Wiener Stadtrat ermordet hatte, da war von Lanc nicht ein Wort des Bedauerns über seinen in der ganzen Geschichte der Republik wirklich einmaligen Ausspruch zu hören.

Alles andere, was SPÖ-intern noch gegen einen Mandatar Lanc spricht, geht uns nichts an, und es wird das die Leser dieses Blattes kaum interessieren. Sie werden aber vermutlich mit mir einer Meinung sein, daß ein Mann, der als Minister ohne Spur eines Beweises sozusagen die Hälfte aller Österreicher als die Handlanger des bisher einzigen politischen Mordes unseres Landes bezeichnet, in der obersten gesetzgebenden Körperschaft Österreichs nichts verloren hat.

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