Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 18. Juni 1996
Kategorisierung TIWAG; Austrian Airlines; Kapitalismus; 1996

Kapitalismus pur

Ein Grablicht kostet beim Standl vor der Wiltener Basilika mehr als doppelt soviel wie in einem Supermarkt. Der Standlerin seien die Einnahmen wohl vergönnt. Sie nützt ihren Standortvorteil aus. Wer ihre Preise nicht zahlen will, kann im Supermarkt kaufen.

Das Erdgas ist, seit der Bund eine Steuer draufgeschlagen hat, billiger geworden. Der Konsument fragt sich, ob es nicht vorher zu teuer war. Wenn es im Sommer 1996 möglich ist, mit dem Preis herunterzugehen - warum tat man das dann nicht schon früher?

Die teuerste Fluglinie der Welt ist jene von Innsbruck nach Wien. Man bezahlt für einen Hin- und Rückflug ungefähr soviel wie von London nach New York und zurück. Der Preis wird nicht berechnet, sondern so festgesetzt: Leuten mit Geld, solchen, die um die Kosten ihrer Arbeitszeit wissen und denen ihre Bequemlichkeit ein wenig wert ist, muß der Preis gerade noch vertretbar scheinen. Wäre er doppelt so hoch, dann würden so wenige fliegen, daß sich der Laden nicht mehr rentiert. Gäbe es eine echte Konkurrenz - also eine zweite Fluglinie - dann würde für den Flug von Innsbruck nach Wien die Hälfte berechnet. Daraus folgt: Erträglich ist der Kapitalismus nur, wenn ihn Konkurrenz und scharfe Kartellgesetze einbremsen. Sagt einer meiner Freunde in der Wirtschaftskammer.

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