Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum Dezember 1998
Kategorisierung Politisches; Habsburger; 1998
Anmerkung des Autors 2 schlimme Leserbriefe an TBZ
Anmerkung des Herausgebers Leserpost: Zum Kommentar "Kaiserliche Hohlheit"

Kaiserliche Hohlheit

Letztlich geht es bei der Posse um den Enkel des letzten Kaisers darum, ob das Prinzip der Erbmonarchie irgendeine Berechtigung hat. Es lautet, daß Kaiser, König, Landesherr (und Hoferbe?) zu werden hat, wer nach der Erbfolge dran ist, ganz egal, welche Qualitäten er vorweisen kann. Dieses Prinzip hat dazu geführt, daß die klügsten Habsburger (Johann, Carl, Albrecht, Friedrich usw.) nicht zum Zug kamen, während ihre zum Teil behinderten Brüder oder Vettern das Riesenreich zu regieren hatten.

Karl Habsburg wäre, gemessen an seinen Leistungen und Fähigkeiten, nie Abgeordneter in Brüssel geworden, wenn er nicht der Enkel des letzten Kaisers wäre. Sein Vater, der immer als politisches Genie gehandelt wird, ist eher das Gegenteil davon: Er hat im Winter 1938 Schuschnigg schriftlich aufgefordert - beim Soldateneid, den er seinem Märtyrervater(!) geleistet hatte - ihn zum Kanzler zu machen; im Frühjahr 1945 warnte er die Amerikaner davor, die kryptokommunistische Regierung Renner anzuerkennen. Otto war, zu seiner Entschuldigung, damals so jung wie es Karl heute ist ...

Zu Franz Josefs, des Ururgroßonkels Zeiten, mußte sich erschießen, wer solchen Mist gebaut hatte. Das sei ihm nicht geraten, aber der sofortige Rücktritt aus allen politischen Ämtern. Er ist längst eine politisch tote Maus, nur weiß er das noch nicht. Wer ihn "erfunden" hat, sollte es ihm sagen.


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