Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum  ?Februar 2002
Kategorisierung Verkehr; 2002

Jetzt auf einmal

Das letzte Buch, an dem ich mitgearbeitet habe, wurde in einer der leistungsfähigen Innsbrucker Druckereien hergestellt Gebunden wurde es in Wien. Das heißt: Der Wiener Buchbinder muss um so viel billiger angeboten, dass sich das Versenden von neun Tonnen bedruckten Papieres von Innsbruck nach Wien gelohnt hat. Ist so etwas denkbar? - Ja, wenn der Fahrer so gut wie nichts dafür bekommt, Wien retour rund 70 Euro (kein Gewerkschafter wird übrigens erklären können, warum gegen einen Missstand, von dem alle gewusst haben, die Gewerkschaft nicht aufgetreten ist). Und die Transportfirma wird es auch um einen Pappenstiel gemacht haben. Würden für den Transport gerechte Löhne und wahre Preise gerechnet, dann hätte man in Innsbruck binden lassen müssen.

Jeder kennt solche Beispiele. Der Quelle-Katalog, hieß es immer, wird in Norddeutschland gedruckt und in Neapel gebunden. Das schafft dann nicht ein halb gefüllter Lastwagen, sondern eine ganze Kolonne. Und so geht es auf unseren Straßen dann auch zu. Es sei die Konkurrenz im Fuhrgewerbe so mörderisch, wird als Begründung für die nun offenbar gewordene Ausbeutung der Fahrer angeführt. Mag schon stimmen. Aber irgendwann wird sich das alles auch einmal gelohnt haben. Wie sonst hätte ein Südtiroler, der als Junger noch mit dem Ochsenkarren von Villnöss nach Bozen gefahren ist, seinen dankbaren Söhnen über tausend Fernlastzüge vermachen können?


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