Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 31. August 1989
Kategorisierung Osteuropa; 1989

Jedermann

Vier von fünf Rundfunknachrichten kommen derzeit aus Osteuropa; dann noch ein wenig Libanon und ein bißchen Österreich. Die Fernsehbilder zeigen fröhliche und erschöpfte Sachsen, denen man zutraut, daß sie in ein paar Jahren von ihren westdeutschen Mitbürgern nur mehr durch den Klang ihrer Muttersprache zu unterscheiden sind. Arbeitsplätze aller Art warten auf sie.

Lech Walesa, für mich der größte unter allen lebenden Politikern, hat dieser Tage wieder einmal ins Schwarze getroffen, als er sagte, daß es für uns im Westen viel zu wenig sei, all die Änderungen - die vor zwei, drei Jahren kein Mensch vorausgeahnt hat - zu beklatschen und dann zur Tagesordnung überzugehen. Er kennt uns offenbar besser als wir uns selbst Er weiß, zu wie viel Schäbigkeit die verfressenen Mitteleuropäer in dieser historischen Stunde fähig sind. Busek hat dasselbe, vor allem an die Adresse des Gewerkschaftsbundes, gesagt. Der wehrt sich heftig mit dem Hinweis auf all das viele Gute, das er, im Interesse der Betroffenen still und heimlich, getan hat. Hoffentlich stimmt das.

Wir haben schließlich auch ganz wichtige Probleme zu lösen. Ob die Nummerntafeln unserer Autos weiß oder schwarz sind; wer in Salzburg nächstes Jahr den Jedermann spielt. Übrigens Jedermann: Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes. Er wird an seinen guten Werken gemessen - und schafft es mit Müh und Not; weil er von den Brosamen seiner übervollen Tafel gelegentlich einem Bettler etwas nachgeworfen hat.

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