Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum  ?September 2001
Kategorisierung Raumplanung; Sozialstaat; Kapitalismus; 2001

Je mehr umso billiger

Dieser Tage erhielten wir die Mitteilung unseres Stromversorgers, dass der Strompreis ab 1. Oktober gesenkt werde. Es kosten nun die ersten 1000 Kilowattstunden je 48 Groschen, und gar nur 46 Groschen sind für jede weitere KWh zu zahlen. Ab 15.000 KWh sind es dann sogar nur mehr 40,3 Groschen. So weit so gut? Vergessen sind die Zeiten, da eine andere Regelung eingeführt worden war - niedrige Preise für jene, die sparen oder weniger verbrauchen, höhere für Prasser und Großverbraucher. Marktwirtschaft nennt man das nun: Mengenrabatt für jene, die für Umsätze sorgen. Es ist die Rückkehr zum Kapitalismus.

Das alles ist gerade für die Bewohner des ländlichen Raumes von Bedeutung. Mit Recht wurde festgestellt, dass es dann, wenn die Gesetze des freien Marktes hier gegolten hätten, es hier keine Erschließung mit Strom und Telefon gegeben hätte. Viele Güterwege, die für extrem gelegene Höfe eine unverzichtbare Lebensader sind - der Anschluss an Schulen und Beruf, die Zufahrt für Tierarzt oder Gäste - wären nie gebaut worden, wenn man die Baukosten kalkuliert hätte. Alles, was unseren Sozialstaat ausmacht, ist der in Gesetze gegossene Wille, über den Werten des freien Marktes noch andere zu sehen. In den USA zahlt man für Schulen und Spitäler, was sie kosten (eine Woche Universität so viel wie bei uns ein Jahr, 1 Million Schilling für eine große Bypass-Operation) - mit der Folge, dass sich das alles Verdiener unter dem Durchschnitt nicht leisten können. Dafür zahlt man weniger Steuern und es gibt kein Budgetdefizit. Wollen wir das?

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