Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 29. Juli 1999
Kategorisierung EU; Lebensmittel; 1999
Anmerkung des Herausgebers Reaktion: Handschriftlicher Brief von F. Fischler – Schlussatz: "Niemand muss Europa lieben, aber es zu zerstören wäre gefährlich."

Jausengegner

Aus Brüssel gibt es ernsthafte Bedenken gegen das Servieren von Speck oder Käse auf hölzernen Brettern, also gegen die typische Brettljause. Und dies aus hygienischen Gründen. Diese neuerliche Tollheit ist ein weiterer Beweis dafür, daß den Zentralisten einerseits kein Problem zu winzig ist. Und andererseits belegt dieser Vorstoß: Sie haben alle keine Ahnung von Viren, Bakterien und Schimmelpilzen. Es paßt dies recht gut in die alte Leier von der Gefährlichkeit des Genusses von Rohmilch. So lange hat man den Konsumenten gesagt, daß Milch an sich gefährlicher Sondermüll ist, der allenfalls in abgekochter Form getrunken werden kann, bis sie es geglaubt haben. Angeblich gebildete Menschen fragen einen ganz entgeistert, ob man denn lebensmüde sei, wenn man die Milch nicht im Supermarkt, sondern beim Biobauern kauft. Sagt man denen dann, daß bei diesem meinem Bauern doch weniger als 30.000 Keime je Milliliter gezählt wurden, und daß die Milch daher erstklassig sei, schütteln sie nur noch den Kopf über soviel Frivolität und Todesverachtung. Das ganze organische Leben, von Pflanzen, Tieren und Menschen, würde nicht funktionieren, wenn wir nicht ringsum von Viren, Bakterien, Pilzen und vielfältigen anderen Kleinstlebewesen umgeben wären. Natürlich gibt es solche auch auf jedem frisch gewaschenen Holzbrettl für die Brettljause. Sie befinden sich in großer Menge auch auf jedem Plastikbrett, was vielfach erhoben und gemessen wurde. Man sollte das allerdings nicht zu laut sagen, sonst verbietet irgendein Brüsseler Schafskopf auch noch die Brettljause auf Plastikbrettern.

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