Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 17. August 2001
Kategorisierung Politisches; Dritte Welt; 2001

Indische Nonne

In der vorletzten Woche beklagte die Tiroler Tageszeitung, welche Dummheit sich unsere Behörden geleistet hätten, dass sie den Ministerpräsidenten des Jemen mit Gefolge nicht von einem bayrischen See zum Tiroler Achensee einreisen ließen. Wo doch der Jemen Erdöl exportiert. Und überhaupt.

Viele Wochen lang versuchte eine Tiroler Familie, für eine indische Nonne und ihre Schwester ein Visum zu erhalten. Die Klosterfrau sollte zuerst auf einer Tagung in Portugal sprechen und dann, sozusagen auf der Rückreise, ein paar Tage Erholung in Tirol machen. Sie arbeitet das ganze Jahr über für Angehörige der kastenlosen Gruppe, also für jene, die noch unter der untersten Kaste stehen. An die österreichische Botschaft in Indien schickte der Tiroler Haushaltsvorstand seinen Lohnzettel, einen Grundbuchauszug seines Wohnhauses, eine bereits abgeschlossene Krankenversicherung für die beiden jungen Frauen - alles zusammen viel Lauferei und rund 4.000 Schilling an Kosten. Leumundszeugnis und Aids-Test wurden nicht verlangt. Ein paar Tage vor dem geplanten Abflug aus Indien kam die Nachricht, dass die Visa nicht ausgestellt wurden. Ohne Angabe von Gründen. Wer diesen Vorfall mit zunehmender Verbitterung miterlebt hat, der findet, dass dem jemenitischen Ministerpräsidenten kein Unrecht geschah. Wenn unsere beiden Gäste nicht kommen durften, dann soll der auch bleiben, wo der Pfeffer wächst.

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