Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Hofingers "Brunftgedanken"

Autor Heinrich Rinner
Medium Jagd in Tirol
Texttyp Leserbrief
Erscheinungsdatum November 1996
Kategorisierung Jagd; 1996
Anmerkung des Herausgebers Teil der Kontroverse Brunftgedanken, die auch zu Hofingers "Brunftgedanken", "Wie man in den Wald hineinruft...!" Hochsitzgedanken — von der Seele geschrieben! und Weiteres zu den "Brunftgedanken" führte.


Endlich!

Endlich hat Winfried Hofinger die Jäger wieder entdeckt. In seinen Glossen in der Tiroler Bauernzeitung waren wir so viele Jahre das bevorzugte Ziel für seine journalistische Jagdleidenschaft, daß ich in der letzten Zeit beinahe beleidigt war. Wir waren keine Glosse mehr wert! Ich wähnte schon, daß es ihm wie manchem älteren Jäger geht, der lieber schaut als schießt. Diese Vermutung wurde fast zur Gewißheit, als er am Bügeltisch über Autorennen nachdachte. Aber — Hofinger sei Dank — wir sind einige Brunftgedanken wert. Winfried ist noch nicht jagdmüde und ausgeschossen.

Zuerst wollte ich ihm einen zornigen Brief entgegenschleudern ob so vieler Halbwahrheiten und Unsinn in seiner Spalte. Aber das können andere sicher besser. Dann aber mußte ich lachen und schmunzeln. Wenn jemand so stark übertreibt, dann kann er sein Geschreibsel und sich selbst nicht ganz ernst nehmen.

Zuletzt aber wurde ich nachdenklich. Hat der Sexualkundler und Psychologe Hofinger etwa an etwas gedacht, das wir alle bisher übersehen haben? Können röhrende und kämpfende Hirsche ältere Männer wieder zu weibstollen Jünglingen machen? In Asien werden doch Baststangen zu Anregungsmitteln verarbeitet, und auch aus Hirschwedeln soll man ein Lebenselixier brauen können.

Dieser Gedanke läßt mich nun seit einigen Tagen nicht mehr los. Da muß man doch etwas unternehmen. Hier eröffnet sich ein neues Spektrum für unseren rückläufigen Fremdenverkehr:

  • Frischzellenkur für Männer auf dem absteigenden Ast;
  • vor einer Scheidung muß der Mann auf einen Brunftplatz;
  • Flugreisen nicht nach Thailand, sondern umgekehrt — nach Tirol;
  • Bioverjüngung in Tirols Wäldern.

Das bedarf natürlich einer genauen Untersuchung und Analyse. Ich möchte anregen, daß Forschungsaufträge vergeben werden,

  • ob sich der Brunftgeruch in Dosen abfüllen läßt;
  • ob auch die Losung auf Brunftplätzen wertvoll ist;
  • ob Unterwäsche, die aus Haaren von erlegten Brunfthirschen erzeugt wurde, nicht ganz besonders wirkt;
  • ob Schlammpackungen aus Suhlen bedenkenlos in alle Welt verschickt werden können;
  • ob das Mahnen eines Hirschtieres auf Frauen wirkt.

Her mit einigen neuen Universitätsinstituten! Die bestehenden sind nicht geeignet, da sie die Möglichkeiten nicht erkannt haben. Weiters hat folgendes zu geschehen: Die Landhausjuristen haben schnellstens ein Gesetz auszuarbeiten, unter welchen Voraussetzungen die Bezeichnung "Röhrkurort" vergeben wird! Ein weiteres Gesetz hat zu bestimmen, daß die Verwendung von Tonträgern bei Nichtröhren der Hirsche verboten ist! Es müssen die Voraussetzungen für die Verleihung des Gütesiegels für "Biotrenzen" geschaffen werden!

Daß die Tirolwerbung hier nicht schlafen darf, ist selbstverständlich. Sie sollte schon beginnen, einen Werbefeldzug zu starten, bevor die Neuseeländer um einen Röhrer voraus sind.

Endlich muß ein Röhr- und Brunftüberwachungsamt geschaffen werden, das die strikte Einhaltung aller Richtlinien überwacht. (Lieber Winfried, wenn schon kein neues Amt, dann bitte zumindest das Salzamt.) Wahrscheinlich brauchen wir aber auch einen weisungsunabhängigen Röhranwalt. Sollte alles so wirken wie geplant, dann ist zu überlegen, wie Kuren auf Krankenschein gestaltet werden. Für Privatpatienten müssen selbstverständlich Sondervereinbarungen getroffen werden. Ich erhebe nicht Anspruch darauf, daß meine revolutionären Gedanken honoriert werden. Die Krone des Entdeckers gebührt eindeutig DI Winfried Hofinger. Ich schlage ihn zum Röhranwalt vor.

OSR Heinrich Rinner, Bezirksjägermeister

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