Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Hofinger an ORF

Autor Winfried Hofinger
Medium Brief
Texttyp Seherprotest
Erscheinungsdatum 19. Juli 1995
Kategorisierung ORF; Verkehr; 1995
Anmerkung des Herausgebers gehört zu Serie

Hofinger vs. ORF 1-2-3-4


Winfried Hofinger

als Vorsitzender des Naturschutzbeirates

6162 Mutters, Fach 8


Herrn Chefredakteur Georg Laich

ORF-Studio Tirol

Rennweg 14 6020 Innsbruck


Sehr geehrter Herr Chefredakteur!


Am 8. April dieses Jahres haben Sie mir geschrieben, mein Vorwurf, daß der ORF gegen das Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel Propaganda gemacht habe, sei nicht gerechtfertigt. In der Begründung Ihrer Zurückweisung wiederholen Sie, mit Erhard Berger, genau den Fehler, den ich Ihnen vorwerfe. Erhard Berger hat mich übrigens telefonisch nicht erreicht, ich traf ihn um diese Zeit aber vor dem Studio - und er zeigte mir dort sein Privatauto, von dem er selbst sagte, daß es pro Kilometer über sechs Schilling koste, was ich ihm gerne glaubte.

Es bleibt natürlich jedem unbenommen, in der Berechnung der wahren Autokilometerkosten seine eigenen Methoden anzuwenden. Ich bleibe dabei, daß es für eine öffentlich-rechtliche Anstalt einfach nicht erlaubt ist, die Hälfte der von allen amtlichen Stellen und von den Autofahrerklubs errechneten Kosten in Ansatz zu bringen - und das drei Tage vor Einführung des Verkehrsverbundes. Erhanrd Berger hat mir sogar geschrieben, daß er dann, wenn er mit Freunden auf Skitour fährt, nur die Benzinkosten verrechnet. Wenn ich mit Freunden auf Skitour fahre, verrechnen wir die Benzinkosten deshalb erst gar nicht, weil sie ohnedies nur ein Viertel der dem Fahrer anfallenden variablen und fixen Kosten ausmachen ... Ich habe mit mehreren Leuten über diese eigenartige Kontroverse gesprochen - eigenartig deshalb, weil der ORF ja an sich den VVT begrüßt und propagiert hat. Wie es denn denkmöglich sei, daß jemand, der auch das große Einmaleins nachweislich beherrscht, so einen Unsinn wie die 2.- Schilling je km von sich geben kann? Einer meiner Gesprächspartner meinte, er sei überzeugt, daß Sie mit Ihrer ganzen Redaktion inzwischen auch wissen, daß da ein Fehler passiert sei - daß er aber noch nie erlebt habe, daß der ORF einen Fehler zugegeben habe. Ich will das nicht glauben. Ich erinnere Sie daher an Ihre Zusage, daß Sie in einer Sendung einen "differenzierten Kostenvergleich Auto-Verkehrsverbund" durchführen wollen. Wenn Sie dabei auf meine Mitwirkung als Vorsitzenden des Naturschutzbeirates Wert legen, dann sollte das noch vor dem Jahreswechsel geschehen, weil mit Ende 1995 meine Funktionsperiode zu Ende geht.

Ein weiteres zu Ihrem Brief: Ich habe weder in meinem Fax noch in der Glosse in der TBZ dem ORF in der Sachen Geschwindigkeit etwas vorgeworfen. Natürlich ist man, z.B. von Mutters nach Innsbruck, mit dem Auto recht genau dreimal so schnell wie mit der Stubaier. Aber ich bin der festen Überzeugung, daß jemand, der täglich von einem Ort, der gut an den öffentlichen Verkehr angeschlossen ist, mit dem PKW zur Arbeit pendelt, nie wieder das Wort Umweltschutz in den Mund nehmen dürfte. Lustig ist die Pendlerei in überfüllten Schülerzügen und Schülerbussen natürlich nicht ...

In Erwartung Ihrer Antwort grüße ich inzwischen freundlich W.H.




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