Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Hochsitzgedanken — von der Seele geschrieben!

Autor bergwicht
Medium Jagd in Tirol
Texttyp Leserbrief
Erscheinungsdatum November 1996
Kategorisierung Jagd; 1996
Anmerkung des Herausgebers Teil der Kontroverse Brunftgedanken, die auch zu Hofingers "Brunftgedanken", "Wie man in den Wald hineinruft...!" Hochsitzgedanken — von der Seele geschrieben! und Weiteres zu den "Brunftgedanken" führte.


Hofinger hin - Hofinger her; die Bauern können uns nicht Wurscht sein! Lange schon wollte ich meine Gedanken über die Bauern zu Papier bringen. Dipl.-lng. Hofinger spielt da keine große Rolle, außer daß er ein Kämmerer ist, bei dem die vielgepriesene christliche Nächstenliebe spätestens beim Jagdpächter bzw. bei seinem Berufsjäger aufhört! Wir brauchen die Bauern und die Bauern fahren mit den Jägern als Partner sicher auch nicht schlecht. Zumindest hat es bei der heurigen Vollversammlung des Jägerverbandes aus dem Munde eines Bauernvertreters so geklungen. Wir Jäger bringen immer wieder die 130 Millionen ins Spiel, die unsere Jagdpächter jährlich an die Grundeigentümer abliefern — zurecht, wie ich glaube. Jeder Grundeigentümer bekommt seinen Jagdpachtschilling! Der Tiroler Tourismus brachte heuer (TT vom 6. Februar) 62 Millionen ins Spiel, die an Entschädigungen und Grundpachten von der Seilbahnwirtschaß bezahlt wurden. Nun kenne ich Agrargemeinschaften und Bauern, auf deren Grund und Boden Lifte betrieben werden, die von den 62 Millionen der "Seilbahnwirtschaft" keinen Schilling sehen. Viele solcher Anlagen können sich ja selbst kaum über Wasser halten. Wieviele Felder und Wiesen würden nicht mehr gemäht werden, würden die Jäger den Bauern nicht das Heu abkaufen? Aber diese "Heulieferanten" werden ja von ihren "viehhaltenden Kollegen" nicht als Bauern bezeichnet, außer bei Kammerwahlen etc. Gerade im Vorjahr haben viele Tiroler Jagdpächter zu "ihren Bauern" gehalten und das billige Heu aus Deutschland verschmäht. Vernünftige Bauern und vernünftige Jäger können gut miteinander leben, "Schlitzohren" gibt es auf beiden Seiten. An dieser Stelle möchte ich einen Appell an unsere Jäger richten: Inländer wie Ausländer, Pächter wie Gast. Unzählige Bauern bieten inzwischen wieder vermehrt hervorragende Produkte an — kaufen wir diese Spitzenqualität. Wir müssen ja nicht bei jenem einkaufen, der bei jedem verbogenen Grashalm nach Wildschadenersatz schreit. Kaufen wir bei dem, der uns positiv gegenüber steht (sachliche Kritik darf durchaus sein), wenn er auch ein gutes Produkt liefert. Vielleicht kann sich auch die eigene Familie mehr für die Jagd begeistern, wenn der "Ernährer" nach einem Jagdwochenende frische Eier, frischen Gebirgshonig oder frische Butter mit nach Hause bringt. Der Großteil unserer Bauern hätte sich dieses Geschäft verdient! Mundpropaganda wäre ein weiteres. Lassen wir uns doch nicht von den "Hofingers" auseinanderdividieren! Da Geschenke die Freundschaft erhalten, kann man sich ja oft durchaus auch mit einer frischen Reh- oder Hirschleber "einhauen" Dabei sollten die Umstände aber genau abgeklärt sein. Ein Bauer, dessen Frau ich hin und wieder mit einer Leber erfreute, klagte mir eines Tages: "Bitte, gib ihr koa Leber mehr, i mog die Leberknödl nit!" Zurück zum Ernst der Lage des Bauernstandes. Die meisten Naturnutzergruppen fordern Rechte auf den Grundbesitz der Bauern, manche von ihnen wollen diese sogar durch Gesetzesänderungen erzwingen. Wir Jäger machen seit Generationen Verträge mit den Bauern, in denen Rechte und Pflichten — zeitlich limitiert — genau abgesteckt sind!

bergwicht

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