Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 17. Juli 1986
Kategorisierung Aberglaube; Wissenschaft; 1986

Hexenzauber

Würde man/frau vorgeschlagen haben, auf der Frauenuniversität Anfang Juli sollte ein Seminar über die Rolle der Frau in der Bibel abgehalten werden, so würde man/frau ebenso ausgelacht worden sein, wie wenn man/ frau eine Meditation über ein religiöses Thema gewünscht hätte. Auf der Universität geht es wissenschaftlich zu, da hat Religiöses keinen Platz. Die eingeplante "Hexenwanderung auf die Frau Hitt" diente nur der Verbesserung der Fitneß, damit man/frau dann um so besser wieder ernsthafte Frauenthemen diskutieren konnte. Nicht ganz: Mitten unter all den Sachthemen stand auch verschämt zu lesen: "Tarot". Es ist kein Schreibfehler, es handelt sich nicht um das alte Kartenspiel Tarock. Tarot ist im Grunde nichts anderes als Kartenlegen. Aus gezogenen Karten wird das Schicksal gedeutet und vorhergesagt. Aberglaube also.

Das ist das Eigenartige an der menschlichen Natur, ganz gleich ob männlich oder weiblich: wenn man/ frau aufhört zu glauben, dann stellt sich, zur Befriedigung dieses Bedürfnisses, der Aberglaube ein. Von denselben Leuten, die gegen jede Art von ernsthafter Religion mit Vehemenz zu Felde ziehen, werden Karten aufgeschlagen, Horoskope geglaubt und Amulette getragen. Und wehe man/ frau lacht darüber - das wird einem als Religionsstörung schlimmster Art ausgelegt, und ein Hexenfluch ist das mindeste, das man dafür abbekommt.

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