Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 20. Jänner 2000
Kategorisierung Kirchliches; Frauen in der Kirche; 2000

Herdenbrief Frauen (II.)

Gedanken beim sonntäglichen Kirchgang mit Blick auf den Pferdeschwanz der einen und den Zopf der anderen Minstrantin; Es ist schon ein paar Jahre her, da waren Ministrantinnen von Rom aus verboten. Die einen kümmerten sich nicht darum - ihnen war das seelische Befinden der Mädchen wichtiger als der Erlass aus Rom. Vielleicht lasen sie irgendwo, dass der Geist lebendig macht, dass der Buchstabe aber tötet.

Andere suchten und suchten Argumente, die gegen Ministrantinnen sprachen; sie waren so dumm, dass man sich schämt, sie zu wiederholen. Dann verfasste man in Rom ein Papier, das Ministrantinnen zuließ. Man hielt die Sache aber für so unwesentlich, dass man das Papier monatelang nicht veröffentlichte.

In diesen Monaten wiederholten die Gegner der Ministrantinnen ihre Dummheiten, nicht wissend, dass Rom schon umgeschwenkt war. Heute ist das alles zurecht kein Thema mehr. Auf Buben, die nicht ministrieren, weil das nun auch die Dirndln, die Madeln oder die Gitschen tun dürfen, kann man gerne verzichten.

Kurz nach dem albernen Disput um Ministrantinnen kam ein Dekret heraus, das über einige Missstände bei den Laien in der Kirche klagte. Als streng verboten wurde da unter vielem anderen aufgelistet, dass Frauen die Kommunion austeilen, wenn ohnedies Priester im Altarraum herumstehen. Wo tun sie das noch, gruppenweise? - In Wilten. Da gibt es an hohen Feiertagen neben dem jungen Abt noch drei, vier Geweihte verschiedenen Alters. Und wer teilt, entgegen ausdrücklichem Verbot aus Rom, gemeinsam mit Abt und Pfarrer, die Kommunion aus? Zwei Laien, Mann und Frau, und nicht die zittrigen verdienstvollen Priesterpensionisten. Und es bricht darob nicht die Kirche in Wilten und Umgebung zusammen.

Wenn man so etwas schreibt, dann bekommt man sehr bald Leserbriefe, die einem unterstellen, ein Feind der Kirche zu sein. Die wahren Feinde sind die, die sich um all das schon längst nicht mehr kümmern. All jenen, denen die katholische Kirche noch ein Anliegen ist, sei im Umgang mit römischen Papieren ein weiterer Bibelspruch empfohlen: Prüft alles, das Gute behaltet. Wenn einem das zu wenig kirchentreu ist, dem schicke ich eine Liste mit all den römischen Erlässen, die das Papier nicht wert waren - bis zum Verbot aus 1903, Frauen im Kirchenchor singen zu lassen. Weil sie dazu nicht geeignet wären.

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