Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum Frühjahr 2001
Kategorisierung Auto;2001

Hauptwohnsitz

Am schönsten ist es, in einem sonnigen Dorf nahe der Hauptstadt zu wohnen. Alles, was es am Dorf nicht gibt, hat man in der Stadt - Konzerte, Theater, Höhere Schulen, Supermärkte, Altersheime. Und gemeldet ist man auch in der Stadt, vor allem wegen der Altersheime und natürlich wegen des Parkpickerls. Sie glauben nicht, dass jemand seine Meldung als Mensch von einem Gratisabstellplatz für sein Auto abhängig macht? - Es gibt dafür einen sehr erstaunlichen Beweis, aus einem Umfeld, wo man ihn nicht vermuten würde: Als in Wien das gebührenpflichtige Parken für Autos von nicht in Wien gemeldeten Autobesitzern eingeführt wurde, verlor die evangelische Kirche des Burgenlandes Dutzende Mitglieder. Sie waren nicht verstorben, und auch nicht ausgetreten (etwa aus Protest wegen des parteipolitischen Engagements ihrer Superintendentin) - sie wollten nur einfach nicht in Wien für das Parken ihres Autos, mit dem sie am Montag aus dem Burgenland kommen und am Freitag dorthin zurückfahren, bezahlen.

Wo ist das Zentrum ihrer Lebensinteressen? - Dort, wo Eltern, Ehefrau und Kinder leben, wo man am Wochenende auflebt, wo man geboren ist und begraben sein will. Oder dort, wo man als Maurer werkt und sein Auto billig abstellen will ... Tausende Menschen wohnen und leben in Mutters, Götzens, Lans oder sonst wo. Sie nehmen alle Dienste der Gemeinde in Anspruch, von Müllabfuhr bis Straßenräumung, von Schule bis Friedhof - und gemeldet sind sie in Innsbruck, weil sie hier billiger parken wollen. Wie die burgenländischen Maurer verursachen sie in ihren Wohngemeinden Ausfälle von zigtausend Schilling, fast 2000 Euro im Jahr. Das schert sie nicht. Hauptsache, sie parken billig.

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