Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

Wechseln zu: Navigation, Suche
Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 10. Februar 2000
Kategorisierung FPÖ; Privilegien; KIT;2000

Gratisflieger (II)

Es gibt ein Tiroler Sozialprojekt, dessen Funktionäre, Mitarbeiter und Klienten einmal im Jahr gemeinsam zu Abend essen. Kosten pro Person: rund 300 Schilling. Und jedes Mal verlangt nach dem Fest der Kassier von den Vorstandsmitgliedern, dass sie den auf sie entfallenden Teil der Kosten in die Vereinskasse einzahlen. Ebenso regelmäßig motzt darüber der Schriftführer - er ist den Lesern dieser Zeitung gut bekannt - weil er der Meinung ist, dass für zehn Vorstandssitzungen im Jahr und für all die andere, natürlich unbezahlte Arbeit ein Gratisessen, für das er ja auch seine Freizeit aufopfert, nicht zu viel wäre.

Seit der Flugaffäre in Österreich und Deutschland sieht auch der störrische Schriftführer die Sache anders. Mit welchem Recht regt sich jemand über den schamlosen Gebrauch von Gratisflügen durch Spitzenpolitiker zu Urlauben und Familienfesten auf - wenn er selbst ohne Bedenken bereit wäre, auf Kosten der öffentlichen Subventionsgeber, mit dem Spendengeld der kleinen Leute, zu Abend zu speisen? Es ist in der Tat der Unterschied nur bei ein paar Nullen gelegen, inhaltlich sind Gratisessen und Gratisfliegen - auf anderer Leute oder des Staates Kosten - dasselbe. Manche meinen, der Erfolg der sog. Freiheitlichen hätte eine Ursache darin, dass sie den allgemeinen Selbstbedienungsladen angeprangert hätten. Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass sie es darin anders treiben würden als die von ihnen geschmähten Altparteien.

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen