Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 13. Jänner 2000
Kategorisierung Rudolf Streicher; Privilegien; 2000

Gratisflieger

Es ließe sich auf den Tag genau feststellen, wann wir mit Rudolf Streicher beisammen gesessen sind - weil unser anschließender Auftritt vor der Bürgerinitiative Vomp am übernächsten Tag in den Zeitungen gestanden ist. Auch die Namen wüsste ich noch alle. Während des halben Abendessens versuchte Streicher von uns kleinen bis mittleren Gehaltsempfängern Mitleidsbezeugungen dafür zu bekommen, dass er und sein Freund Franz Vranitzky so dumm gewesen wären, in die Politik zu gehen. Auf die Million genau hätten die zwei in sozialistischer Bescheidenheit ausgerechnet, um wie viel sie in den Jahren weniger verdient haben, in denen sie so dumm waren, Kanzler oder Minister zu werden, statt Generaldirektor bei einer Bank oder bei einem verstaatlichten Betrieb zu bleiben. Streicher war dann ganz erstaunt, dass sich unser Mitleid in Grenzen hielt: Es habe sie ja keiner gezwungen, diese Millionenverluste sehenden Auges hinzunehmen, wagte ich einzuwerfen. Irgend etwas muss es da doch auch noch gegeben haben, dachten wir uns - täglich in der "Zeit im Bild"; Chef der Bundesregierung; Chef über alle, und nicht nur über einen verstaatlichten Betrieb.

Geld verdirbt den Charakter, sagt, ein wenig übertreibend, der Volksmund. Geld verstellt, in solchen Häufen bezogen, den Blickwinkel auf die Lebensverhältnisse der kleinen Leute. Dabei waren die viele Macht, das Ansehen und das viele Geld, wie sich jetzt herausstellt, immer noch zu wenig. Wer selbst der Staat ist, wird doch private und halbprivate Flüge nicht von den paar verbliebenen lächerlichen Millionen bezahlen. Weil das alles dann, wenn er noch in der Firma gewesen wäre, auch kein Thema gewesen wäre.

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