Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum  ?1987
Kategorisierung Politisches; Wasser; Biochemie Kundl; 1987

Größe und Macht

Die Biochemie Kundl ist eine Tochter des Chemie-Giganten Sandoz aus Basel. Der Zürcher Zeitung konnte man entnehmen, daß dieser Konzern trotz des Unglücksfalles vor einem Jahr heuer einen Reingewinn von bisher nicht gekannter Höhe, von sehr vielen hundert Millionen Schweizer Franken eingefahren hat. Man versteht es dann nicht ganz, wenn zur selben Zeit das Land, das heuer sicher keinen Reingewinn machen wird, diesem Krösus noch über 20 Millionen Schilling in die vollen Kassen wirft - zumal auf den damit geschaffenen neuen Arbeitsplätzen ein Mittel erzeugt werden soll, das die agrarpolitisch überaus bedenkliche Folge haben wird, daß nach seiner Einnahme die Kühe rund 20% mehr Milch geben. Sandoz hätte die Anlage auch ohne die 20 Millionen sicher gebaut. Das Kundler Werk, das unlängst mehr oder weniger freiwillig auf Heizöl mit 1 Prozent Schwefel umgestiegen ist (bisher verheizte man im Jahr 8.000 Tonnen Heizöl schwer mi 2% Schwefel) hat im Endausbau einen Trink-wasserbedarf von fast einem Kubikmeter Wasser in der Sekunde (!). Diese Wassermassen müssen erst gefunden werden. Schob man da unlängst auf dem Feld eines Ortsbauernobmannes auf einer Länge von 150 m den Humus 10 Meter breit auf die Seite - ohne mit dem Grundeigentümer auch nur ein Wort zu reden. Das sind dann schon echte Kolonialmethoden. Im Lande der Konzernmutter hätte man so etwas probieren sollen!

Größe entbindet nicht von Pflicht, Gesetze und gute Sitten einzuhalten. Nein, sie verpflichtet eher dazu, meinen wir kleinen.

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