Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 27. Jänner 2000
Kategorisierung Privilegien; Raumordnung; Kitzbühel; 2000

Gleicher als gleich

"Alle Staatsbürger sind vor dem Gesetz gleichgültig; das Geschlecht ist kein Hindernis." So soll ein Lehrling bei der Prüfung in Staatsbürgerkunde gesagt haben. Der Gleichheitsgrundsatz besagt, dass Gleiches gleich und Ungleiches ungleich zu behandeln ist. Wer also Ungleiches gleich behandelt, verstößt auch gegen den Gleichheitsgrundsatz. Gerne pflegen Höchstgerichte so zu belehren, wenn sie ein Urteil aufheben.

Die Redewendung, dass einige gleicher seien als die anderen, stammt aus dem Buch "Die Farm der Tiere". Die Tiere übernehmen die Macht, nachdem sie die Menschen von der Farm verjagt haben. Und innerhalb weniger Wochen erobern die Schweine die alte Stellung der Menschen; das geht so weit, dass sie an der Tafel von Tellern essen. Ihr Tun, das gegen die Grundsätze der Revolution verstößt, begründen sie damit: Alle Tiere sind gleich. Aber manche Tiere sind gleicher (more equal, also eigentlich "mehr gleich") als die anderen. An dieser Entwicklung scheitert nicht nur die Farm der Tiere, sondern fast jede Revolution.

Der Kitzbüheler Bürgermeister hat die Erteilung einer Baubewilligung an einen Millionär mitten im Freiland, auf einer Skiabfahrt, damit begründet, dass zwar alle Menschen gleich, aber einige gleicher als die anderen wären. Die Aufhebung des unwürdigen Beschlusses durch die Landesregierung hat er öffentlich begrüßt. Weil damit die Regierung dem Gemeinderat von Kitzbühel erspart hat, einem Gleicheren zu sagen, was Recht und Ordnung ist. Der weiß übrigens gar nicht, wie viele Häuser er genau besitzt; und er wird trotz des "mutigen" Beschlusses der Regierung seine Zuneigung zu Kitzbühel nicht aufgeben. Küss die Hand; oder die Zehen.

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