Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum März 2008
Kategorisierung Sprache; Alfred Gusenbauer; SPÖ; 2008

Gesudere

Als der heutige Bundeskanzler noch gar nicht in der Sandkiste spielte und noch nicht davon träumen konnte, einmal diesen Traumjob zu bekommen, da gab es einen Unterrichtsminister Felix Hurdes. Statt "Deutsch" stand in den Zeugnissen "Unterrichtssprache", weil nach den schrecklichen sieben Jahren 1938 - 1945 alles, was deutsch war, anrüchig war. Statt Unterrichtssprache sollte man "Hurdestanisch" sagen. Ein anderer Kabarettist schlug vor, alle Wörter mit einem "u" drinnen zu verbieten - es sind darunter viele sehr anrüchige: Hure, Sucht, Bruch, Lust, Puff, Unterrichtssprache, Sumpf, und eben Hurdes. Oder, damals noch nicht bekannt, Gusenbauer ...

Gusis Gerede vom Gesudere auf Parteiveranstaltungen, ein Wort, das auch sehr dicke Dialektwörterbücher nicht kennen (und wieder so ein u- Wort!), hat einen tiefen Hintergrund. Das Elend von Parteiveranstaltungen! Wer da hingeht, ist mit einer der Parteien im Lande so fest verbunden, dass es ihm nichts ausmacht, dort einen Abend zu verbringen - obwohl es außer Wortspenden nichts gibt. Es treten da neben erschöpften und in der Tat alles besser wissenden Politikern auch Leute auf, die die Anwesenheit des Dings dazu benützen, ihr Hauptanliegen zum hundertsten Mal ausführlich darzulegen. Es gibt nichts Mühsameres. Aber: Wer so etwas nicht aushält, darf nicht Politiker werden. Wer den engsten Kreis seiner Wähler, und das sind nun einmal die, die zu so etwas überhaupt hingehen, wer die beschimpft, der hat seinen Beruf verfehlt.

Dass er sich dann auch nicht entschuldigen kann, sondern, im Gegenteil, noch behauptet, dass in der Tat viele Wortmeldungen auf Parteiveranstaltungen die Bezeichnung "Gesudere" verdienen - das ist noch viel ärger als das schmuddelige Wort.

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