Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum Juni 2007
Kategorisierung Gender mainstreaming; Kirchliches; Frauen in der Kirche; 2007

Gerechte Sprache

Zu den dürftigsten Aussagen, die Österreichs Bischöfe in letzter Zeit getätigt haben, zählt sicher die Abqualifikation der "Bibel in gerechter Sprache". Sie kennen das Buch noch nicht? Es ist das ein Unterfangen, das man, wenn man wachen Geistes ist, nur mit klopfendem Herzen aufnehmen kann: Der Versuch, das, was von lauter Männern in hebräischer, aramäischer und griechischer Sprache vor zwei, drei Jahrtausenden niedergeschrieben wurde, heutigen Frauen und Männern nahe zu bringen - so nahe zu bringen, dass sie ihr Leben danach ausrichten. Unsere Bischöfe wissen dazu nur Abfälliges zu sagen. Der Höhepunkt steht dann am Schluss, wo sie sagen, dass der deutsche Theologe XY ja schließlich auch Bedenken angemeldet hat. Das muss genügen. Nicht bedacht wird dabei, dass eine große Gruppe von deutschen Theologen sich viele Jahre (erfolgreich, wie ich meine) bemüht hat, das alles zustande zu bringen. Erfreulich, dass sich das Buch so gut verkauft. Dass fast alle großen Zeitungen, die alten Tanten "Neue Zürcher Zeitung", "Frankfurter Allgemeine", "Zeit", "Die Presse", bis hin zum Vereinsblättchen des CV, der heute noch keine Frauen als Mitglieder aufnimmt, versuchen, das Buch zu zerreißen, bestärkt mich eher. Dieser Tage, am Sonntag um fünf vor sieben, wenn das evangelische Wort verkündet wird, las eine Pastorin wie selbstverständlich aus dieser Neuübertragung. Katholiken ist das alles untersagt: Wir haben nicht nur keine Priesterinnen. Den Priestern haben es die Bischöfe ausdrücklich verboten, die neue Übersetzung in der Verkündigung zu benutzen.

Wir warten dafür seit zwanzig, dreißig Jahren auf eine Neuauflage des "Gotteslob". Neues zu schaffen soll anstrengender sein als die Werke anderer herunterzumachen.


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