Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum Juni 2006
Kategorisierung FPÖ; Justiz; Gesellschaftliches;2006

Gefangene besuchen

Haben Sie schon je einmal versucht, einen Gefangenen zu besuchen? Einen, der nicht mit Ihnen verwandt ist? (Hier ist die männliche Form angebracht, weil in Österreich rund neunmal so viele Männer einsitzen als Frauen.) So Sie ein Christ, eine Christin sind, ist Ihnen das dringend anzuraten. Am Ende der Zeiten werden wir nicht gefragt, wie viele vollkommene Ablässe wir erworben haben, wie oft wir die Werktagsmesse besucht haben, sondern, nach Jesu Worten, unter anderem dies: Ich war im Gefängnis - hast Du mich dort besucht? Und wenn nein, warum nicht?

Im Einklang mit den geltenden Gesetzen will die Justizministerin ermöglichen, dass Gefangene vom ihrem Lebenspartner besucht werden dürfen, und das in einem Raum allein, nicht mit anderen zugleich. Groß ist darauf der Aufschrei von den so genannten Freiheitlichen. "Die Neue" füllt, ausgerechnet zu den Pfingsttagen, mit Straches Polemik die ersten drei Seiten. Der Ziegelstadel als Wellness- und Sextempel anstatt als Strafanstalt! Das hat uns noch gefehlt!

Dazu eine wahre Geschichte: Der vormalige österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg durfte im Sommer 1940 im Münchener Polizeigefängnis regelmäßig von seiner Gattin besucht werden. Im April 1941 wurde ihre Tochter Maria Dolores Elisabeth, genannt Sissi, geboren. Wer heute Gefangenen den Besuch ihrer Partner verbieten will, der hält Strafe und Rache für wichtiger als den Erhalt der Beziehungen, die unter der Absperrung ohnedies auf eine schwere Probe gestellt werden. Wer dagegen polemisiert, liegt in dieser Sache geistig hinter den Herrschenden von 1933 bis 1945. Dass das noch möglich ist ...

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