Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum  ? November 2008
Kategorisierung TIWAG; Stefan Petzner; Jörg Haider; 2008

Gefühle sind das wichtigste

Bei einer sehr heftigen Diskussionsveranstaltung über den Kraftwerksbau in Osttirol wollte einer von der TIWAG auch einmal etwas Freundliches sagen. Und daher lobte er mich als den Leiter der Veranstaltung, dass es gelungen sei, das alles so emotionsfrei abzuwickeln. Bei Louis Oberwalder kam er damit schlecht an: "Wissen Sie nicht, Herr Müller, dass die Emotionen das Wichtigste im Leben sind? Sie armes Würstchen ..." Wieder nichts.

Wenn der junge Mann, dem Haiders Zuneigung gehört hat, über den noch dazu selbst gewählten Tod seines Lebensmenschen auch vor eingeschalteter Kamera heftig weint, dann ist das für mich ein gutes Zeichen. Aber - in jenen Jahren, aus denen die ganz Alten von den ganz Rechten in Österreich aufwuchsen, da hieß es noch: Ein deutscher Junge weint nicht. Ich weiß, wovon ich rede: Als dritter Zwerg von links musste ich im Kindergarten heftig weinen, weil Schneewittchen soeben gestorben war - und alle lachten mich aus.

In Gebetbüchern, die noch bis vor kurzem im Gebrauch waren, stand auch ein Gebet um die Gabe der Tränen. Natürlich sollte man in erster Linie lernen, über die eigenen Sünden in Tränen auszubrechen, und sich dann bessern. Aber es ist eine nur in gewissen Zirkeln von Psychoexperten zugelassene Meinung, dass Emotionen und ihr Ausleben an sich wertvoll seien.

Nicht dass mir um den jungen Mann leid wäre. Er hat in seiner kurzen Zeit an führender Stelle schon sehr viele verachtenswerte Dinge gesagt. Seine schärfste Drohung: Alles in Kärnten bleibt, wie es war. Aber dass er herzhaft, ja hemmungslos weinen kann, macht ihn mir eher ein wenig sympathisch.

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