Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum Jänner 1995
Kategorisierung Kirchliches; Bischof; 1995
Anmerkung des Autors Brief von Willi: Tut ihm weh! Ich: Brief an Willi: mir auch! Anruf Willi: Gespräch!

Gaillot, Evreux

In seinem Testament, das er vor 111 Jahren geschrieben hat, fragt sich Adolf Trientl, Priester und Wanderlehrer: "Was würde wohl geschehen, wenn Jesus heute auf die Welt käme?" - Er würde einen Bündelstein nehmen und viele Stolenträger aus seiner Kirche verjagen. Und dann würde er sofort exkommuniziert werden.

Der kleine Bischof der unbedeutenden Diözese Evreux, nordwestlich von Paris gelegen, ist zwar nicht exkommuniziert, sondern "nur" seines Amtes enthoben worden. Er hat in allem und jedem Meinungen vertreten, die im Zweifelsfall näher beim Evangelium als bei Aussagen des Vatikan lagen. Er hat sich der Flüchtlinge, der Ausländer, der Homosexuellen, der Drogenkranken, der Geschiedenen usw. mit jener Zuwendung angenommen, wie sie von Jesus überliefert wird. Wer seine Schriften liest oder ihn reden hörte, würde gar nicht glauben, daß dieser unscheinbare Mann das Schreckgespenst der Etablierten sein könnte.

Die Amtsenthebung von Bischof Jacques Gaillot ist ein neuerliches Signal einer Kirche, der Disziplin wichtiger ist als die Nachfolge Christi. Wenn (junge) Menschen mit dieser Kirche immer weniger anzufangen wissen, dann ist dies auch auf solche Maßnahmen zurückzuführen. Adolf Trientl an anderer Stelle: "Jedoch ein Thor ist, wer vom Vatikan eine Besserung erwartet."

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