Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 8. Februar 2001
Kategorisierung Klärschlamm; 2001

Frisch und giftig auf den Tisch

"Das stinkende Zeug besteht fast vollständig aus abgestorbenen Mikroorganismen, die sich in den Kläranlagebecken von den Abwasserinhaltsstoffen ernähren. Die kleinen Tierchen nehmen dabei nicht nur Stickstoff und Phosphor aus Fäkalien auf, sondern auch sämtliche Chemikalien. Soweit sie biologisch nicht abbaubar sind, reichern sie sich in den Bakterien an. Dieser zwecks Wasserreinigung erwünschte Effekt wird noch verstärkt, weil dem Abwasser in Kläranlagen rund 700.000 Tonnen Chemikalien zugesetzt werden. Diese Hilfsstoffe finden sich ebenso im Klärschlamm wieder wie die Schadstofffracht der Abwasserproduzenten. Ohne Not wird das mit hohem technischen und finanziellen Aufwand aus dem Abwasser herausgefischte Schadstoffkonzentrat am Ende aber wieder auf Äcker verteilt. Wahnsinn mit System."

So weit wörtlich letzte Woche die Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit". Auch die Überschrift: stammt von ihr. Nicht alle Leser dieser Zeitung werden "Die Zeit" kennen -sie neigt an sich zu ausschweifend langen Artikeln. Dass sie aber dem Klärschlamm gleich zwei Seiten ihres Großformates widmet, sprengt auch den dort üblichen weiten Rahmen. Offenbar wacht man nun auch anderswo auf. Die größte Chuzpe (jiddisch-abwertend für Dreistigkeit, Unverschämtheit) steht im ersten Satz der Klärschlammverordnung des Landes: "Nach Anhören der Landeslandwirtschaftskammer." So weggehört hat man im Landhaus auf Einwendungen aus der Brixner Straße noch nie.

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