Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 12. März 1987
Kategorisierung Kirchliches; Tourismus; Reinhold Stecher; 1987

Fremde-Gäste

Westlich des Ziller und in Osttirol wurde am letzten Sonntag ein Hirtenbrief zum Thema Fremdenverkehr verlesen, der von jener Art ist, wie man sich Seelsorge wünscht. Es war der Vorgänger von Bischof Reinhold Stecher, der bei der Eröffnung des Felbertauern noch meinte, durch dieses Loch kämen Unmoral und Unsitte in unser heiliges Land. Nicht, daß Stecher die Gefahren nicht sähe und nicht beim Namen nennen würde. Aber er sagt vor allem, und das in einer bei (katholischen) Predigern selten gewählten und treffenden Sprache, um was es positiv geht: Wir sollten den inzwischen wohl bebauten und ausreichend erschlossenen Garten Tirol nun in erster Linie erhalten. Wir sollten bei Brauchtum und anderem unsere Würde wahren, und nicht uns vor anderen zum Narren machen - aber, er sagt das so vornehm, wie es in diesen Kreisen gar nicht immer zugeht, auf Tiroler Abenden etwa oder wenn Prozessionen vermarktet werden wie Perchtenläufe. Schließlich schreibt er als Bischof davon, wie man trotz aller anerkannten Schwierigkeiten auch dann, wenn man in der Gästebeherbergung tätig ist, das Familienleben und sein Christentum pflegen kann. Beileibe nicht mit allem, was kirchlicherseits, leider auch und vor allem aus Rom, in letzter Zeit gesagt wurde, kann man glücklich und zufrieden sein. Umso erfreulicher ein solcher Brief, bei dem man sich von Inhalt und Sprache angetan fühlt; auch dann, wenn man sich seine Kreuzer gar nicht im Tourismus verdient.

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