Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 4. November 1999
Kategorisierung Sozialsystem; 1999

Feiertage

Wenn wieder einmal ein paar Feiertage anfallen, ist das Gejammer bei den Gewerbetreibenden laut und ausdauernd: Kein anderes Land der Welt würde sich einen vergleichbaren Luxus an so langen Urlauben und so vielen Feiertagen leisten; die Wirtschaft stünde auch aus diesem Grund kurz vor dem Ruin. Nun darf man nicht alle Feiertage zusammenzählen. Es ist gar nicht möglich, dass alle auf einen Werktag fallen - wenn weder Nationalfeiertag, Allerheiligen und 8. Dezember auf ein Wochenende fallen, dann tun das dafür Weihnachten und Neujahr; oder umgekehrt. Und der 15. August war heuer auch ein Sonntag ... Unbestritten: Wir haben viele Feiertage und lange Urlaube. In den reichen USA sind 14 Tage bezahlter Urlaub die Regel - so, wie bei uns vor 100 Jahren. Warum unsere Wirtschaft dann doch nicht und nicht zusammenbricht? Warum wir dann trotzdem die besten Wirtschaftsdaten haben und zu den reichsten Ländern der Welt gehören? Vielleicht gerade deshalb. Weil in den paar verbleibenden Arbeitstagen ordentlich draufgehaut wird. Gemessen an sehr vielen Ländern - keineswegs nur südlich, sondern auch nördlich, ganz zu schweigen vom Osten - wird bei uns in der Arbeitszeit in der Regel auch gearbeitet. Und das von gut ausgebildeten Leuten. Allein wie in unseren Spitälern gearbeitet wird, wo Gesundheit produziert wird! Immer wichtiger werden solche Feiertage wie der letzte Dienstag für die vielen Nebenerwerbsbauern. Wann sonst sollen sie die vielen Herbstarbeiten verrichten? Auch gegen die Verkürzung der Wochenarbeitszeit hätte diese inzwischen größte Gruppe aller Bauern sicher nichts einzuwenden. Wer sollte dagegen sein, wenn er täglich eine halbe Stunde früher Zuhause wäre? Ginge es nach den Wünschen der Arbeitgeber, dann hätten wir immer noch die 48-Stunden-Woche. Aber bei allen Verkürzungen der Normalarbeitszeit seither ist der versprochene Zusammenbruch der Wirtschaft nicht und nicht eingetreten.

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