Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum 9. März 2000
Kategorisierung FPÖ; Elisabeth Sickl; 2000

Fachministerin

Das nächste Regierungsmitglied, das gehen wird, ist mit großer Wahrscheinlichkeit die Sozialministerin. Auch sie selbst ist überzeugt, dass sie von ihrem Gewerbe fast nichts versteht; das sei auch nicht nötig, sagte sie, weil es im Hause ja so gute Fachbeamte gibt.

Große Frage: Warum stellen die Freiheitlichen für die Leitung eines so wichtigen Ressorts jemanden auf, der von der ganzen Sache so gut wie keine Ahnung hat? Es gibt dafür zwei Gründe: Es gibt in der Tat keine kompliziertere Materie als das Sozialwesen. Und es gibt kaum einen freiheitlichen Parteigänger, der sich darin auskennt. Das ist wieder eine Folge davon, dass bisher die sog. Altparteien gerade diesen Bereich so lückenlos unter sich aufgeteilt haben, in der Beamtenschaft genau so wie bei den Funktionären. Diese totale Herrschaft von zwei Parteien, bis hinein in alle Gremien der Sozialpartnerschaft - wo vor allem nach Parteizugehörigkeit gefragt wurde, wenn eigentlich Sachkompetenz nötig gewesen wäre - wird ja als eine der Ursachen für den Wahlausgang vom 3. Oktober genannt.

Ein wenig erinnert das an den ersten Agrarminister der Regierung Kreisky: Weil in ganz Wien und Umgebung kein roter Agrarfachmann aufzutreiben war, nahm man einen alten SS-Mann, der in Kärnten nach dem Krieg dem BSA (Bund sozialistischer Akademiker) beigetreten war. Erst Minister Weihs war dann Sozialist und kompetent.

Zu hoffen ist, dass sich unter der Million freiheitlicher Wähler doch noch wer findet, der den Unterschied zwischen Höchstbeitrags- und Höchstbemessungsgrundlage, oder den zwischen Beitrags- und Versicherungsmonaten kennt. Sie kennen ihn auch nicht? - Sie wollen aber auch nicht Sozialminister werden.

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