Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium AgroBonus
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum Heft 1/2 1994
Kategorisierung Agrarsubventionen; Bauernstand; 1994

Fünfprozenter

In den letzten Wochen sagten oder schrieben es, wahllos herausgegriffen, Horst Knapp, eine Moderatorin des ZDF, Heide Schmid - und viele dachten es sich: Warum macht man um die Bauern, die selbst in "unterentwickelten" Ländern nur noch etwas über, in ordentlichen Ländern aber weit unter fünf Prozent der Bevölkerung stellen, so viel Aufhebens? Warum konnten die paar Leute das GATT, das uns - dank ungebremster Wirtschaft und freiem Welthandel - noch mehr Wohlstand bringen wird, so lange aufhalten?

Warum ließ man sich von denen am Ende nötigen, die schönen Ideale so zu verwässern? Nur mehr fünf Prozent. Niemand von uns würde auf die Idee kommen, die Bedeutung eines gut ausgebildeten Ärztestandes daran zu messen, daß die Ärzte weniger als ein Prozent der Bevölkerung stellen. Weil wir sie dringend brauchen.

Und die Bauern, eine einheimische Landwirtschaft? Sehr viele Leute meinen im Ernst, man könne auf das, was Ackerbauern und Viehzüchter in unserem Land erzeugen, ohne weiteres verzichten, und das alles in gleicher Qualität, aber wesentlich billiger, im Ausland kaufen. Auf dem "Weltmarkt", was immer das ist. Und für die Landschaftspflege kann man die Bauern immer noch bezahlen. Direkt, unabhängig davon, ob sie etwas erzeugen. Und wohin dann mit dem "Abfall", der bei der Landschaftspflege notgedrungen immer noch anfällt? Wohin mit Gras, Mist, Fleisch und Milch? Hier endet zumeist das flott gestartete Gespräch in Phrasen, und es wird zurückgefragt, ob man es denn für sinnvoll halte, mit Hilfe von Subventionen jene Überschüsse zu erzeugen, die niemand braucht. Welche Subventionen denn? - Das wird einem dann am wenigsten geglaubt: daß die "normale" - Landwirtschaft so gut wie nicht subventioniert wird, viel weniger als Krankenhäuser, Schulen, Eisenbahnen, Straßenbau oder Erdgasleitungen. Die Leser dieser Zeitschrift wissen das alles. Daß aber ein immer größer werdender Teil unserer Mitbürger diese Zusammenhänge nicht sieht oder nicht sehen will, muß ihre Vertreter beunruhigen.

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