Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Es war eine Leidensgeschichte

Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Artikel
Erscheinungsdatum 27. Juni 2002
Kategorisierung Energie; Biomasse;2002

Tirol und die Biomasseheizung - trotz bester Voraussetzungen lange das Schlusslicht

Wenn Tirol in der Sache Holzheizen seit vielen Jahren ganz unten in der Liste der österreichischen Bundesländer steht, dann liegt das nicht am Wald - dass der zuwenig Brennholz hätte. Ganz im Gegenteil: wir haben sehr viele durchforstungswürdige oder besser gesagt, durchforstungsbedürftige Bestände; wir haben sehr viel überaltes Holz, das sich nur mehr zum Verheizen eignet. Diese alten Bestände durch junge zu ersetzen wäre im Interesse der Sicherheit des Landes gelegen.

Warum sich in dieser Sache so wenig tut, oder getan hat? Sehr lange hat das Land keine eigene Energiepolitik gemacht, sondern das getan, was die im vornehmlichen Landeseigentum befindliche Wasserkraft-Gesellschaft gewollt hat. Lange noch, als es schon klar war, dass man mit Strom aus Wasserkraft Tirol nie beheizen könnte - weil die Stromaufbringung dann am niedrigsten ist, wenn am meisten geheizt werden soll, nämlich im Winter - hat man auf Strom gesetzt. Und dann auf Gas. Da die Erdgasversorgung zu hundert Prozent in Händen der TIWAG ist, hat sich das Land (und leider auch die Landwirtschaftskammer) allen Wünschen der Erdgasbetreiber gebeugt.

Hilfe für Gasbetreiber

Unvergessen ist folgende Szene: Ein Innsbrucker Rechtsanwalt, von der LLK gebeten, den von den Gasbetreibern vorgelegten Mustervertrag zu prüfen (er fand dann über hundert Punkte, die zu verbessern waren), sagte am Beginn dieser Aussprache: Ob es überhaupt Aufgabe der Kammer sei, in dieser Sache mit den Erdgasbetreibern gemeinsame Sache zu machen, hätten wir sicher schon vorher geprüft und für richtig befunden ...

Man wird sagen dürfen, dass auch viele Mitarbeiter des Landesforstdienstes nicht gerade begeistert waren, als es ums Holzheizen ging. Ein Bezirksforstinspektor im Oberland stimmte im Gemeinderat seiner Wohngemeinde, sozusagen als Privatmann, gegen die Errichtung einer Dorfheizung auf Hackschnitzelbasis, weil diese angeblich um ein paar Groschen je kWh teurer gearbeitet hätte - ein Verhalten, das in allen anderen Bundesländern undenkbar wäre. Die Bauern in Zams bauten gemeinsam mit dem Pfarrer die Heizung dann doch.

Beste Eignung für Solaranlagen

Ein Vertreter der TIWAG sagte einmal im Energieausschuss des Landes, nein, von Solaranlagen halte er persönlich gar nichts. Auch den Einwand, dass es von Fachleuten erstellte Karten gäbe, die weite Teile des Landes als optimal dafür geeignet ausweisen, ließ er nicht gelten. Großer Vorteil für Tirol: Die weitgehende Freiheit von Nebel im Winter. Dass der ehemalige dritte Nationalratspräsident, Dr. G. Stix, allerdings ein Freiheitlicher, schon seit vielen Jahrzehnten das Brauchwasser für seine große Familie von der Sonne erwärmen lässt, wurde nicht ernst genommen. Dafür wurde in Mutters eine in ein normal geneigtes Dach integrierte Solaranlage von der Gemeinde durch viele Jahre verhindert, weil sie das Dorfbild beeinträchtige. Als die Gemeinde Söll drauf und dran war; eine Dorfheizung auf Basis Biomasse zu errichten, da schrillten bei den Gasbetreibern alle Glocken. Es wurde Söll das Gas zum halben Preis, verglichen mit den Nachbargemeinden, angeboten.

Nicht förderungswürdig

Am ersten Tiroler Waldbauerntag bat der Diskussionsleiter den anwesenden Landeshauptmann, er solle doch etwas Positives zum Holzheizen sagen. Nein, sagte er, das könne er nicht, das alles sei nicht förderungswürdig, so lange die Abgasfrage nicht gelöst sei. Um diese Zeit war das Fernheizwerk in Lofer längst in Betrieb. Es ersetzt an die 600 Ölheizungen, und es produziert so viel oder besser gesagt, so wenig Abgase, wie wenn am Dorfrand ein VW ohne Kat Tag und Nacht dahinbrummen würde. Eine schlecht eingestellte Heizung, für ein mittleres Hotel etwa, kann das auch. Lofer, in einem Kessel gelegen, hat inzwischen beste Luftqualität - allerdings machen die Öl-und Gashändler hier schlechte Geschäfte. Inzwischen ist die finanzielle Förderung auch in Tirol sehr gut und umfassend. Was fehlt ist die geistige Förderung durch die Politik, die Anerkennung.

Ein Trost wurde uns immer gegeben: wenigstens würden wir in Tirol all die Fehler, die andere Länder bei der Entwicklung dieser neuen Techniken gemacht haben, nicht machen. Selbst das gilt inzwischen nicht mehr: Es gibt hier nichts mehr zu erfinden. Weil wir in Tirol nicht gebrauchen und verbrauchen, was bei unseren Sägewerken als Restholz anfällt, fahren Fernlaster sonder Zahl - sind Sie noch nie einem solchen begegnet, Binder oder Pfeiffer steht zumeist drauf? - in den Pinzgau und weiter in den Osten; und vor allem nach Südtirol. Dort ist das Heizöl so teuer, dass alle, die rechnen können, zum Holz als Brennstoff greifen. Wir hingegen, ich eingeschlossen, verheizen Erdgas oder Erdöl.


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