Aus Winfried Hofinger | Holzknecht

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Autor Winfried Hofinger
Medium Tiroler Bauernzeitung
Texttyp Kommentar
Erscheinungsdatum nachzutragen
Kategorisierung Kirchliches; Johannes Paul II

Es ist genug - auch für den Papst

Jetzt, nachdem der Papst das anstrengende Wochenende überstanden hat, möchte man ihm von Herzen wünschen, dass er noch die Kraft fände, das von ihm selbst aufgestellte Reglement des freiwilligen Rücktrittes auf sich selbst anzuwenden. Es besteht wenig Hoffnung dafür - die Krankheit, die ihn quält, ist noch zusätzlich mit einem überaus starken Gefühl der Unersetzlichkeit verbunden.

Es gibt rund 5000 katholische Bischöfe. Wenn man annimmt, dass sie im Durchschnitt nicht viel länger im Amt sind als zwanzig Jahre, dann heißt das, dass an jeden Arbeitstag einer neu ernannt werden muss. Auch ein Papst bei voller Gesundheit, auch einer, der nicht so viel in der Welt herumfährt wie der jetzige, wäre arg belastet, täglich so eine schwerwiegende Entscheidung zu fällen. Oder fünf Mann pro Woche auszuwählen. Je weniger der Papst das alles selbst erledigt, umso mehr fällt es den Bürokraten im Vatikan zu. Die Ergebnisse sind teilweise sehr leidvoll. Wobei das Versagen des römischen Zentralismus auch sein Gutes hat: Nun wurde und wird offenbar, dass es in sich von Übel ist, den durch die Bibel in keiner Weise zu rechtfertigenden bürokratischen Zentralismus an die Stelle der geschwisterlichen Eigenverantwortung zu stellen. Das alles wurde an dieser Stelle schon mehrfach beklagt. Helfen wird es wieder nichts - weil, wie schon Adolf Trientl 1884 seinem Testament anvertraute, "Ein Thor ist, wer vom Vatikan etwas vernünftiges verlangt".

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